Das war nicht mäßig, das war spitzenmäßig, was auch daran lag, dass es nicht so richtig voll war, obwohl ich sowohl den
Monotonix als auch den
Silver Jews ein volles Haus gegönnt hätte. Aber als Konzertbesucher schätze ich es sehr, mich am Tresen nicht gegen andere Durstige durchsetzen zu müssen und nach dem Pinkeln ohne Schubserei wieder zu meinem Wunschplatz zu gelangen. Kleinigkeiten, aber im Vergleich mit den ausverkauften Konzerten von The Kills und Shellac nicht zu unterschätzen.
Die Monotonix hatten ihr Schlagzeug vor der Bühne, was bei zahlreicherem Erscheinen mitten im Publikum gewesen wäre, aufgebaut. So blieb der Band jedoch reichlich Platz, der in erster Linie vom Sänger, den man mir bei Schummerlicht auch gut und gerne als Helge Schneider hätte unterjubeln können, ausgiebig genutzt wurde. Während der Gitarrist das Konzert über weitestgehend ungestört sein Instrument spielte, entwickelte sich zwischen Sänger und Schlagzeuger eine unterhaltsame Täter-Opfer-Beziehung. Letzterer musste es ertragen und tat es letztlich, glaube ich, auch ganz gerne, dass ersterer auf ihn raufkletterte, sein Schlagzeug umschmiß, die einzelnen Teile wieder irgendwo im Raum aufbaute, ihn mit einer frisch aus einem Mülleimer geangelten Banane fütterte, anschließend den Mülleimer samt Inhalt über seinen Kopf stülpte und ihn auch noch mit einem Gürtel kräftig würgte. Pause hatte der Arme nur, wenn der Sänger Bier verspritzend durchs Publikums spazierte, sich auszog, über den nassen Boden schlitterte, einzelne Konzertbesucher geschickt ins Programm einband, aufs Lichtgerüst kletterte oder - ein Höhepunkt! - im hohen Bogen ins Publikum schneuzte. Und parallel dazu spielte die Band ihre Lieder ohne Pause. Ich war begeistert, so geht Leidenschaft.
Zu den Silver Jews lässt sich kaum etwas sagen. Wem da nicht sprachlos warm ums Herz wird, dem ist nicht mehr zu helfen. Zehn Shellac-Konzerte würde ich gegen 1 Minute von den Silver Jews eintauschen.
Kommentare