Mittwoch, 19. August 2009
Raum-Zeit-Schriftbild-Kontinuum
Ein Gang durch Neukölln und schon ist alles durcheinander. Macht Euch selbst ein Bild und staunt, lacht oder seufzt. Aber eine “AG II”-Beratung mit einem handgeschriebenen Schild zu bewerben, dass aussieht, als sei es direkt von Doc und Marty mit dem Delorian aus den 50er Jahren in unsere kalte Post-Agenda-2010-Gesellschaft gebracht worden, verwirrt zumindest mich. Offensichtlich hat der Wirt seine Nische gefunden und besetzt sie mit Nachdruck.


Montag, 6. Juli 2009
Ich und mein Fahrrad...
...wurden heute zweimal von der Polizei kontrolliert. Mein Fahrrad ist ein sensibles Teilchen und verlor vor Schreck die Fassung Kette. Dabei zeichneten sich die Herren Polizisten nur durch schlechte Zähne und nicht durch übertriebene Gründlichkeit aus, aber schon der Verdacht, dass sie irgendwelche Mängel an ihm gesehen, wenn auch nicht geahndet haben könnten, muss Fahrradi den Rest gegeben haben. Warum ich das hier melde? Weil mir die regionale Distribution der Polizisten gefallen hat. In der Leipziger Straße waren es drei: Einer zum Rauswinken, zwei zum Kontrollieren. Im sozialen Brennpunkt Schöneberg-Nord hingegen brauchte es dreizehn: Einen zum Rauswinken, zwei zum Kontrollieren, einen als zusätzlichen bad cop (“Nanana, das sieht ja übel aus”, und mein wie gesagt sensibles Fahrrad wechselte von schmutziggrün zu schmutzigrot), vier zum Rumstehen, weitere vier zum auf der anderen Straßenseite Rumstehen, und einen höherrangigen Beleibten einige Meter weiter zum auf dem Zebrastreifen Herumlungern. Wahrscheinlich war das der Endgegner, der den Ausreißern den Rettungsschuß verpasst, aber ich will darüber genausowenig spekulieren wie über die möglicherweise auf den Dächern des Tagesspiegel-Gebäudes postierten Scharfschützen (“Nur auf die Reifen, Jungs, nur auf die Reifen, sonst haben wir hier ruckizucki ein zweites Watts!”).
Geschrieben von ja_be
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Montag, 22. Juni 2009
Flughafenbesetzung
Nennt mich zynisch oder politikverdrossen. Aber statt der Clownsarmee am Columbiadamm lausche ich lieber diesem Protestsong.
Nach einem gelungenen, spannungssteigernden Intro geht es los.
“Flugzeuge im Bauch, im Blut Kerosin”.
Nach einem gelungenen, spannungssteigernden Intro geht es los.
“Flugzeuge im Bauch, im Blut Kerosin”.
Dienstag, 21. April 2009
Der Busfahrer-Song
Manchmal braucht man fern der Pseudometropole lebende Freunde. Wenn man für sie die unsägliche Quatschkampagne “be berlin” im Internet sucht, stellt man plötzlich fest, dass die lokalen Medien (ja, 94,3 rs2, Dich meine ich) ihrer Informationspflicht aber sowas von nicht nachgekommen sind und uns diesen Song vorenthalten haben. Man mag gar nicht drüber nachdenken, welches Ausmaß an Sachbeschädigung und Blutvergießen von seiten der “Multi-Kulti-Fraktion” (toll, wie subtil Busfahrer Stephan diese ins Spiel bringt) hätte verhindert werden können! Auch ein schönes Beispiel dafür, dass man manchmal Gewalt gegen das ästhetische Empfinden in Kauf nehmen muss, um Gewalt gegen Sitze zu verhindern.
Geschrieben von ja_be
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10:27
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Montag, 20. April 2009
Kennen Sie einen Armen?
Nachdem wir alle in den letzen Jahren über unsere Verhältnisse gelebt haben und nun ein wenig zurück stecken müssen, sollten wir auch beim Online-“Shopping” über neue Wege nachdenken. Ein Bügeleisen für zwei Schachteln Pall Mall blau, ein Mädchen-Fahrrad für “3x Milch und 3x Saft” oder Stephen King’s Carrie für eine Flasche Fanta. Meinte Wowereit das mit “sexy”?
Geschrieben von ti_dr
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Mittwoch, 16. Juli 2008
Risiko gehen
Sonnenallee, Ecke Erkstraße. Ein Kiosk bewirbt mit großen Buchstaben seine für Biertrinker nicht unattraktive SOMMER-AKTION: Der halbe Liter Pilsator zu 0,27 €, dieselbe Menge Berliner Kindl zu 0,48 €. So weit, so gut. Stutzig macht dann aber der Zusatz in Klammern, denn da steht nicht das übliche (Solange Vorrat reicht), sondern ein für diese Gegend durchaus wagemutiges, aber - und das spricht für die Professionalität des Kioskbetreibers - durch kein Ausrufezeichen als Besonderheit gekennzeichnetes (Vorrat reicht).
Sonntag, 29. Juni 2008
~
Zwei Mittfünfzigerinnen an der Currywurstbude.
Zwei Mittfünfzigerinnen mit säuerlichem Gesichtsausdruck.
Zwei Mittfünfzigerinnen, konservativ gekleidet.
Zwei Mittfünfzigerinnen, wie sie sich anschweigen.
Zwei Mittfünfzigerinnen mit Buttons an ihren Jäckchen: “Ich nehme ALLE - mit Standhaftigkeit” die eine, “DILDOKINGS” die andere.
Alleine deswegen muss man den CSD doch lieben.
Zwei Mittfünfzigerinnen mit säuerlichem Gesichtsausdruck.
Zwei Mittfünfzigerinnen, konservativ gekleidet.
Zwei Mittfünfzigerinnen, wie sie sich anschweigen.
Zwei Mittfünfzigerinnen mit Buttons an ihren Jäckchen: “Ich nehme ALLE - mit Standhaftigkeit” die eine, “DILDOKINGS” die andere.
Alleine deswegen muss man den CSD doch lieben.
Geschrieben von ja_be
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Montag, 19. Mai 2008
Gender-Trouble im Zweiten Reich
(Buchstäblich seit Jahren wollte ich das fotografieren. Jetzt, wo ich endlich dazu kam, trat just aus diesem Haus eine Freundin, die dort einen Kongress besuchte und sich erbot, auf der im Inneren angebrachten Infotafel Genaueres über die Benennung in Erfahrung zu bringen. Haben wir dann aber doch vergessen)
Geschrieben von ja_be
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12:02
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Samstag, 26. April 2008
Tempelhof
Morgen nun soll entschieden werden - mal ausgeblendet, das der Senat nicht an den Volksentscheid gebunden ist -, wie es nun in Zukunft mit dem Flughafen Tempelhof weitergehen soll. Und ich bin da noch ein wenig unschlüssig.
Ziska (“Fasten your seatbelt - Wir verlassen die Welt”) und Smudo (“Die da”) alleine reichen an und für sich ja schon aus, um fünf mal laut mit NEIN abzustimmen, aber wenn ich das hier lese, dann geht die Tendenz auch schon wieder in Richtung JA.
Mal sehen, was euch und Ihnen da draußen kurzfristig so einfällt, um mich für die eine oder die andere Entscheidung zu gewinnen.
Update: Manchmal bin schon erstaunt über meine eigene Gedankenlosigkeit. Was da oben steht, ist so natürlich totaler Quatsch. Es sollte in etwa heißen, dass man wegen Smudo alleine fünfmal laut mit NEIN abstimmen müsste, während es auf der anderen Seite Ziska ist, die für Abschreckung und ein Kreuz im Kringel vom JA sorgen sollte.
Das ganze Spektakel ist jetzt zwar vorbei, aber ich lass das trotzdem mal als mahnendes Beispiel für mich hier stehen und werde mir gleich noch die goldene Blogging-Regel “Keine Schnell-Postings am frühen Morgen” hinter die Ohren schreiben. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Ziska (“Fasten your seatbelt - Wir verlassen die Welt”) und Smudo (“Die da”) alleine reichen an und für sich ja schon aus, um fünf mal laut mit NEIN abzustimmen, aber wenn ich das hier lese, dann geht die Tendenz auch schon wieder in Richtung JA.
Mal sehen, was euch und Ihnen da draußen kurzfristig so einfällt, um mich für die eine oder die andere Entscheidung zu gewinnen.
Update: Manchmal bin schon erstaunt über meine eigene Gedankenlosigkeit. Was da oben steht, ist so natürlich totaler Quatsch. Es sollte in etwa heißen, dass man wegen Smudo alleine fünfmal laut mit NEIN abstimmen müsste, während es auf der anderen Seite Ziska ist, die für Abschreckung und ein Kreuz im Kringel vom JA sorgen sollte.
Das ganze Spektakel ist jetzt zwar vorbei, aber ich lass das trotzdem mal als mahnendes Beispiel für mich hier stehen und werde mir gleich noch die goldene Blogging-Regel “Keine Schnell-Postings am frühen Morgen” hinter die Ohren schreiben. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Mittwoch, 20. Februar 2008
Nicht nur, sondern auch
Nicht nur, dass die deutsche und manchmal auch internationale Presse seit geraumer Zeit durch bald tägliche Berichterstattung die ganze Welt über Neukölln und das tägliche Leben dort ausführlich informiert, sondern auch umgekehrt zeigt sich dem Neuköllner häufig das Weltgeschehen in seinem Kiez: Kaum hatte der Kosovo am vorigen Sonntag seine Unabhängigkeit erklärt, konnte man Autos auf der Sonnenallee beobachten, deren Insassen die albanische Flagge aus dem Fenster wehen ließen und die Unabhängigkeit feierten, als ob gerade die Damenstaffel des Kosovo bei der an diesem Tag zu Ende gehenden Biathlon-Weltmeisterschaft eine vom Start weg ungefährdete Goldmedaille gewonnnen hätte.
Dienstag, 5. Februar 2008
DER DEUTSCHEN KUNST
Museumsinsel. Durch die Bauzäune sieht man die Alte Nationalgalerie mit o.g. Aufschrift. Zwei englischsprachige Touristen.
T1 (auf die Aufschrift deutend): What does that mean?
T2 (eine Weile überlegend, dann): A place for the arts.
T1 (auf die Aufschrift deutend): What does that mean?
T2 (eine Weile überlegend, dann): A place for the arts.
Geschrieben von ja_be
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16:00
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Sonntag, 11. November 2007
Vor dem Mediamarkt in Spandau
Drei Jungs in unterschiedlichen Coolheitsgraden, ein Girl.
Mittelcooler Junge: Kennt Ihr schon das neue Album von den Ärzten?
Die Antworten signalisieren Unkenntnis, aber auch geringes Interesse. Der mittelcoole Junge muss sich gut überlegen, jetzt fortzusetzen, denn anders als der uncoole Junge, der vielleicht unbeirrt weiterreden würde, hat er noch etwas zu verlieren. Es ist ihm jedoch, man merkt es, von großer Bedeutung, und er fährt fort:
Das ist nämlich ein Lied drauf, das genau unsere Situation beschreibt. Wirklich absolut genau.
Der uncoole Junge und das Girl sind jetzt doch etwas aufmerksamer. Der coole Junge jedoch:
Du musst mal das Buch “Die Leiden des jungen Werther” lesen. Dann weißt Du, wie unsere Situation ist.
Mittelcooler Junge: Kennt Ihr schon das neue Album von den Ärzten?
Die Antworten signalisieren Unkenntnis, aber auch geringes Interesse. Der mittelcoole Junge muss sich gut überlegen, jetzt fortzusetzen, denn anders als der uncoole Junge, der vielleicht unbeirrt weiterreden würde, hat er noch etwas zu verlieren. Es ist ihm jedoch, man merkt es, von großer Bedeutung, und er fährt fort:
Das ist nämlich ein Lied drauf, das genau unsere Situation beschreibt. Wirklich absolut genau.
Der uncoole Junge und das Girl sind jetzt doch etwas aufmerksamer. Der coole Junge jedoch:
Du musst mal das Buch “Die Leiden des jungen Werther” lesen. Dann weißt Du, wie unsere Situation ist.
Geschrieben von ja_be
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14:45
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Mittwoch, 7. November 2007
Fatih Akin
Ort: Fußgängerampel. Dramatis personae: Er, Sie. Beide sich auf den gegenüber wartenden Kumpel beziehend.
SIE: Häh, stand er nicht eben noch auf der anderen Seite?
ER: Dann müssten wir aber auch auf der anderen Seite gestanden haben.
SIE: Wieso?
ER (geduldig): Na, wenn er auf der anderen Seite ist, dann wäre er ja auf unserer Seite, und dann würden wir ja auf der gleichen Seite stehen wie er, was wir aber nicht getan haben. Wir wollen ja jetzt gerade über die Ampel gehen, damit wir wieder auf der selben Seite wie er stehen.
SIE: Ich versteh Berlin nicht.
SIE: Häh, stand er nicht eben noch auf der anderen Seite?
ER: Dann müssten wir aber auch auf der anderen Seite gestanden haben.
SIE: Wieso?
ER (geduldig): Na, wenn er auf der anderen Seite ist, dann wäre er ja auf unserer Seite, und dann würden wir ja auf der gleichen Seite stehen wie er, was wir aber nicht getan haben. Wir wollen ja jetzt gerade über die Ampel gehen, damit wir wieder auf der selben Seite wie er stehen.
SIE: Ich versteh Berlin nicht.
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17:29
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Sonntag, 5. August 2007
~
Er (aufgeregt): Hallo, junger Mann, haltense mal!
Ich: Ja?
Er: Is dit n Kieler Kennzeichen, wasse da ham?
Ich: Ja?
Er: Nuissesjasoditichunmeinefraunächstewochenachflensburg-
wollenundahaickmirjefrachtnimmstedalieberdemtunneloder-
nimmsteihmnichunmeinefrauhatoochjesachtditseditnichweeß...
Ich: Tut mir leid, da kann ich Ihnen nicht helfen. Das Auto ist zwar aus Kiel, aber ich war da noch nie.
Er: Ach, dit isn Firmenwagen wa?
Ich: Ja, genau.
Er: Balina?
Ich: Sozusagen.
Er: Achsojafaschteheickdachtemirjanurweilwawolltenjaoochdem-
wohnwagenmitnehmunddaisditdennjaimmadiefrare...
Ich: Ja, tut mir leid.
Er: Naja, denn nochn schönen Ahmd, wa?
Ich: Ja, Ihnen ooch.
Ich: Ja?
Er: Is dit n Kieler Kennzeichen, wasse da ham?
Ich: Ja?
Er: Nuissesjasoditichunmeinefraunächstewochenachflensburg-
wollenundahaickmirjefrachtnimmstedalieberdemtunneloder-
nimmsteihmnichunmeinefrauhatoochjesachtditseditnichweeß...
Ich: Tut mir leid, da kann ich Ihnen nicht helfen. Das Auto ist zwar aus Kiel, aber ich war da noch nie.
Er: Ach, dit isn Firmenwagen wa?
Ich: Ja, genau.
Er: Balina?
Ich: Sozusagen.
Er: Achsojafaschteheickdachtemirjanurweilwawolltenjaoochdem-
wohnwagenmitnehmunddaisditdennjaimmadiefrare...
Ich: Ja, tut mir leid.
Er: Naja, denn nochn schönen Ahmd, wa?
Ich: Ja, Ihnen ooch.
Geschrieben von ja_be
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12:51
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Donnerstag, 26. Juli 2007
Aufregenbogen
Alles scheint perfekt geplant: Jetzt, da weder “Spritztour” noch homophobe Wortakrobaten den wachsamsten Hund aus dem Sommerloch zu locken vermögen, setzt Bezirksbürgermeisterin Wanjura zum Angriff auf die Schurkenspitze an.
Eigentlich glaub ich ja an das Gute im Menschen und weder Wolfgang Schäuble nochBono Vox Phil Collins können nicht mit einer zweiten Chance rechnen. Wer aber so etwas mies verlogenes sagt:
Und sich dazu auch noch, vom Fraktionssprecher mit fadenscheinigsten Argumentattrappen sekundieren lässt, darf meinetwegen in der Hölle schmoren und dort mit G-Hot Stadt-Land-Fluss spielen.
Eigentlich glaub ich ja an das Gute im Menschen und weder Wolfgang Schäuble noch
“Wir sind 365 Tage im Jahr tolerant, nicht nur an diesem einzigen.”
Und sich dazu auch noch, vom Fraktionssprecher mit fadenscheinigsten Argumentattrappen sekundieren lässt, darf meinetwegen in der Hölle schmoren und dort mit G-Hot Stadt-Land-Fluss spielen.
Geschrieben von ti_dr
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