Da ich schon früh gelernt habe, keinen noch so nahe liegenden und billigen Witz auszulassen, soll auch bei dieser Artikelüberschrift, die heute Nachmittag bei Spiegel Online zu lesen war, keine Ausnahme gemacht werden: “Astra will mit Billig-Opel um Kunden buhlen” (Schon alleine wegen der möglichen Synergieeffekte in Zeiten allgemeiner Insolvenz)
Donnerstag, 11. Juni 2009
Don't drink and drive
Da ich schon früh gelernt habe, keinen noch so nahe liegenden und billigen Witz auszulassen, soll auch bei dieser Artikelüberschrift, die heute Nachmittag bei Spiegel Online zu lesen war, keine Ausnahme gemacht werden: “Astra will mit Billig-Opel um Kunden buhlen” (Schon alleine wegen der möglichen Synergieeffekte in Zeiten allgemeiner Insolvenz)
Freitag, 9. Januar 2009
Geschichte und Musik
Zeitungszeugen: Wenn wir von dem idiotischen Titel einmal absehen, eine hervorragende Idee. Historische Zeitungen verraten zwar keine Fakten, die man nicht anderswo besser nachlesen könnte, aber durch ihre kunterbunte Zusammenstellung (Schlagzeilen – Lokalteil – Werbung – Wetter – Kleinanzeigen – Reportage) erreichen sie ganz von selbst eine polyperspektivische, unhierarchische Sichtweise, die man sich in der Geisteswissenschaft erst mal erarbeiten musste. Wobei normalerweise nicht immer die Zeit und Motivation da ist, sich derlei Dokumente zu verschaffen (und wer schon einmal in einer Bibliothek den “Völkischen Beobachter” bestellt hat, weiß, dass es da zusätzlich eine gewisse Schwelle zu überschreiten gibt, die am Kiosk wegfällt). Also jekauft dit Ding. Und in der U-Bahn die “Reichsausgabe” der “Deutschen Allgemeinen Zeitung” vom 31. Januar 1933 gelesen, was einem spezielle Blicke einträgt, aber die Bereitschaft, so eine Reihe zu abonnieren, erstmal nicht schmälert. Dann aber die Ummantelung des Ganzen: Eine Katastrophe. Dass man Zeitungen wie “Der Angriff” mit Leitartikel des Herausgebers Dr. Goebbels nicht unkommentiert lassen kann, ist ja klar. Allerdings besteht der Kommentar aus einigen läppischen Seiten, die, wenn nicht “Prof. Dr. Wolfgang Benz” drunterstehen würde, ebensogut aus einem Schulbuch für die 5. Klasse hätten kommen können. Desweiteren haben wir eine Einführung in die Fraktur (was sicher richtig ist), die bei der Transkription eines kurzen Beispieltextes zwei Fehler macht. Wir haben eine Zeitungsauswahl, die (durch die Hereinnahme einer kommunistischen, einer Nazi- und einer Dazwischenzeitung) Ausgewogenheit suggeriert, als Zeitung der Mitte aber die schon erwähnte, sehr rechte “D.A.Z.” nimmt. Wir haben als Extra dieses Poster, das angesichts der thematischen Ausrichtung der Reihe für die nächsten Ausgaben faschistische Plakate erwarten lässt. Muss ich mir die dann alle aufhängen? Wir haben ein Abomodell (Vergünstigungen bei Abschluss bis zum 31. Januar), das haargenau dem Nazi-“Angriff” entnommen ist. Und wir haben einige Thesen zur Geschichtphilosophie, die für die erwünschte Diskussion Böses erahnen lassen:
Ich finde es wichtig, den Menschen die Geschichte des Landes nahe zu bringen und sie lebendig zu halten. Deshalb finde ich das Projekt sehr gut und hoffe, dass es alle Generationen erreicht.
sagt zum Beispiel Michael Stich, der gewohnt kontrovers argumentierende Citoyen erster Güte. Auch der mir persönlich unbekannte Björn Casapietra hat sich so seine Gedanken gemacht:
Geschichte ist wie Musik: Man muss sie erleben können, um sie zu begreifen. Zeitungszeugen macht deutsche Geschichte hautnah nachvollziehbar – ein wertvolles Projekt.
Geschichte ist wie Musik – das gibt dem Zeitungszeugen-Lesen in der U-Bahn, das vielen die iPod-Berieselung ersetzen wird, natürlich eine ganz andere Note.
Ich werde den Schwachsinn wohl leider weiterhin kaufen. Aber die “Zeitungszeugen”, die von durchaus namhaften Historikern unterstützt werden, lassen mich von meiner bisherigen Überzeugung Abstand nehmen, eine wissenschaftlich kommentierte, frei verkäufliche Ausgabe von “Mein Kampf” sei eine gute Sache. Der nächste, nein, nicht Hitler, der nächste Moritz Fürste kommt bestimmt. Und er wird etwas ähnliches sagen, wie es der “Hockey Champion” schon jetzt gesagt hat:
Ich finde, es ist eine innovative und interessante Idee. Gut zu lesen und anschaulich aufbereitet.
Montag, 7. Juli 2008
Noch besser
Bis zum Wochenende lautete meine Antwort auf die Frage “Was ist dein Lieblingsalbumtitel?” selbstverständlicherweise “Kaisers of Metal” von “Drei Flaschen in’na Plastiktüte”, die sich später dann und bis zu ihrer Auflösung scheinbar nur noch “Drei Flaschen” nannten. Hatten wohl Angst vor ihrer eigenen Courage bekommen. Am Samstag nun habe ich mir auf den linken Buchtagen hier in Berlin, das Buch “Als die Welt noch unterging” von Frank Apunkt Schneider gekauft. Bereits beim ersten Blättern bin ich auf meinen neuen Lieblingsalbumtitel gestoßen: “Aquaplaning in Venedig” von Hermann Kopp.
Donnerstag, 12. Juni 2008
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Als Reaktion auf die galoppierende Inflation hat die russische Zentralbank angekündigt, in Kürze einen 1405-Rubel-Schein herauszugeben, der zusätzlich zu den bereits im Umlauf befindlichen Zehnern, Zwanzigern, Fünfzigern, Hundertern, Fünfhundertern und Tausendern gültig sein soll. Zentralbankpräsident Alexander Stiljagin gab bekannt, der ungewöhnliche Wert solle die Konsumenten davon abhalten, eine zu große Vertrautheit mit dem Schein zu entwickeln, um die Inflation nicht noch weiter anzuheizen. Eine solche “psychologische Notenbankpolitik” sei seines Wissens bislang weltweit einmalig.
Dienstag, 29. April 2008
Eat this, Alpenrepublik!
Klar, alle Zeitungen haben das Ereignis, das unter “Amstetten” firmiert, auf Seite 1. Kann man ja machen. Man kann auch, wie die Taz, einen Kommentar daruntersetzen, der sich auf differenzierte Weise mit der Sensationsgeilheit von Medien und Öffentlichkeit auseinandersetzt und klarstellt, dass solche schrecklichen Vorkommnisse nicht verallgemeinerbar sind und nichts über die Gesellschaft als solche aussagen. Ist aber langweilig. Und jetzt Auftritt Leipziger Volkszeitung mit ihrem Leitartikler Norbert Mappes-Niediek:
Österreich gehört zu den glücklichen Ländern, in denen eine Frau nachts allein durch den Park gehen kann, ohne sich fürchten zu müssen. Gefährlich wird es erst, wenn sie nach Hause kommt.
Montag, 3. Dezember 2007
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Nein, ich bin auch nicht der Meinung, dass die Welt unbedingt weitere Bücher über krass drauf seiende, perspektivlose Jugendliche braucht. Und ja, gelegentlich langweilt es, wie sie auch hier ficken, Drogen nehmen, Blut vergießen und KRASS drauf sind. Wenn man den Umschlagtext liest, packt einen das kalte Grauen: “In einer völlig neuen Sprache, die kreativ mit Regeln spielt, gelingt Dorota Masłowska ein ganz erstaunliches, zwischen poetisch und schmutzig, nostalgisch und rebellisch changierendes Porträt der Subkultur in einer heutigen polnischen Stadt.” Trotzdem hat mich “Schneeweiß und Russenrot” beeindruckt und (zwecks Fortsetzung der Lektüre) den einen oder anderen Umweg mit der U-Bahn nehmen lassen. Die Sprache (der innere Monolog eines krassen Ihr-wisst-schon) ist vielleicht nicht “völlig neu”, aber tatsächlich originell, in sich schlüssig und gelegentlich ziemlich komisch. Die Art, wie bestimmte Motive (die weiß-rote Flagge, die Russenfeindschaft, der ominöse “Zdzisław Sztorm”) immer wieder aufgegriffen werden, macht den Weg durch Blutkotzescheißesperma für den Leser etwas unterhaltsamer und ist ziemlich gekonnt. Und (das darf glaube ich in keiner Besprechung dieses Buches fehlen und fehlt auch hier nicht): Die Autorin war erst 18, als sie das geschrieben hat. Krassomat. Lediglich einen anderen deutschen Titel hätte man sich gewünscht: Auf polnisch heißt das Buch Wojna polsko-ruska pod flagą bialo-czerwoną [Der polnisch-russische Krieg unter weißroter Fahne], was nicht nur gut klingt, sondern auch einen Bezug zum Text hat, wohingegen die deutsche Fassung einfach nur Banane ist. Kennt jemand, der/die hier mitliest, das Buch? Mich würden mal andere Urteile interessieren. Das ist auch fast der Hauptgrund, warum ich das hier schreibe, denn eigentlich scheinen mir Blog und Buchrezension nicht so wirklich zueinander zu passen.
Mittwoch, 17. Oktober 2007
2000plus
Das erste Mal wurden mir die Abgründe des mir doch über lange Jahre verbundenen Turnsports bewusst, als ein unter dem Decknamen “Michael” agierender Bekannter sich wiederholtermaßen über sein “persönliches Cannae” am sogenannten Königsgerät echauffierte und damit für allerlei erheiterte Gemüter sorgte: dem Unterschwung am Reck, damals im Sportunterricht in der Schule. Wir erinnern uns. Nun, Jahre später, stocke ich erneut und frage mich in der Tat, ob alles in dieser Sportart mit rechten Dingen zugeht. Zumindest in Bezug auf die vom Niedersächsischen Turnerbund herausgegebenen Publikationen, hier dem NTB-Magazin 10/2007:
Varusschlacht jetzt auch mit DTB Pluspunkt.GesundheitDie Gemeinde Schwagstorf liegt nur einen Steinwurf von jenem Gelände entfernt, auf dem der römische Feldherr Varus neusten Erkenntnissen zufolge die vernichtende Niederlage erlitten hat. 2000 Jahre später hat nun der SV Schwagstorf den DTB Pluspunkt.Gesundheit des Deutschen Turnerbundes – gleichzeitig auch die Dachmarke “Sport pro Gesundheit” des Deutschen Sportbundes und der Bundesärztekammer – durch den Oberturnwart Friedrich Kompa verliehen bekommen.
Was folgt als nächstes? Völkerschlacht bei Leipzig jetzt auch mit Markenzeichen Bewegungskita? Schlacht bei Tannenberg jetzt auch Mitglied im Kinderturnclub? Schlacht bei Waterloo tanzt jetzt den Turntigertanz? Ach, aber dieses Beispiel verballhornten ja schon ganz andere. Wie dem auch sei, ich melde mich jetzt erst mal bei “Well + Fit – eine Woche für Frauen” an. Vielleicht sind auch einige “Hochaltrige” dabei, diejenigen also, die man früher einmal die “Generation 50plus” nannte. Danach belege ich noch schnell den Kurs “Fit im Kopf und überhaupt”, bevor ich dann am Jahn-Gedenklauf teilnehme und zu guter Letzt einen Kranz am Grabe des Turnvaters in Freyburg niederlege. Turner, auf zum Streite!
Mittwoch, 10. Oktober 2007
Ikonoklasmus
Da es sich, spätestens die jüngste Layoutänderung brachte es an den Tag, bei der Redaktion der FAZ um einen Haufen weichgespülter Kulturrelativisten und defätistischer Kryptoliberaler handelt, empfehle ich dringend, die Zeitung in die Hände derjenigen zu legen, die von Konservativismus wirklich noch etwas verstehen und also den Leserbriefen fünf statt bisher einer Seite einzuräumen. Hier melden sich Leute zu Wort, die schreiben können und, entgegen den Geboten des nivellierenden Zeitgeists, auch vor einer gewissen Drastik nicht zurückschrecken:
Nun haben Sie in den letzten Jahren – zunächst etwas halbherzig – das Erscheinungsbild unserer Zeitung etwas verändert und haben die Unverwechselbarkeit und sympathisch-idiosynkratische Note dafür auf dem Altar des Publikumsgeschmacks geopfert. Optisch spielt es ab heute kaum noch eine Rolle, welche Zeitung man aufblättert. Bezeichnenderweise spricht Werner D’Inka im Leitartikel des 5. Oktobers vom “Plebiszit”, und ich brauche nicht auszuführen, welche Konnotationen diesem Begriff innewohnen
, beklagt ein Leser, während ein anderer sich nicht scheut, persönlich zu werden:
Man wird schockierter Zeuge eines journalistischen Harakiri. (...) Adieu, unvergessliche F.A.Z., vielgeliebt, zuweilen auch hassgeliebt! Fast waren wir süchtig nach Dir. Heute, am Tage Deiner Selbstverstümmelung, nehmen wir traurigen Abschied.
Am eindrucksvollsten aber vielleicht die Drohung eines Dritten, die mich auch mein Projekt einer konservativen Reader’s Edition noch einmal überdenken lässt:
Vielleicht hätten die Herausgeber statt Bacons erneuerungsfroher Maxime besser das Ende des Philosophen beherzigt: Er starb – so wird überliefert – an den Folgen eines Experiments.
Lediglich die Vokabel “Krethi und Plethi”, die die großen Vereinfacher vor dem Altar des Publikumsgeschmacks doch ganz gut charakterisiert hätte, habe ich vergeblich gesucht.
Donnerstag, 4. Oktober 2007
Dokument des Elends
Martin Mosebach, Michael Kleeberg, Véronique Olmi, Marcus Braun, A.L. Kennedy, Sarah Kirsch, Rada Biller, Christof Hamann, Jay McInerney, Annette Pehnt, Steven Carroll, Paul Auster, Sibylle Berg, Thomas Brussig, Bodo Kirchhoff, Martin Walser, John von Düffel, etliche Autoren einer mediokren spanischen Provinz, die gerne Kulturnation wäre, und als einziger Lichtblick eine Jakob-van-Hoddis-Werkausgabe, die sich bei näherem Hinsehen als Neuauflage einer schweizer Edition von 1987 entpuppt – ein düstereres Bild vom hiesigen Literaturbetrieb als das, was das Zeit-Literaturheftchen zeichnet, ist schwer vorstellbar.
Sonntag, 9. September 2007
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Meine Freude, Sensationelles zu melden, wird ein wenig getrübt durch ein schlechtes Gedächtnis, das den Nutzwert des Gemeldeten doch arg herabsetzt. Aber trotzdem: Der überaus großartige Mark Z. Danielewski liest irgendwann (im Oktober) im Festsaal Kreuzberg zu Berlin. Anlass ist die (für sich genommen schon sensationelle) Übersetzung seines House of Leaves ins Deutsche; Karten kosten 9 Euro und können im Buchladen Otherland in der Bergmannstraße gekauft werden, z.B. Dienstags bei Jakob.
Donnerstag, 23. August 2007
Ars Amatoria
Aus dem neuen Roman von Robert Menasse zitiert die Süddeutsche Zeitung (von gestern) in ihrer Besprechung Folgendes:
Die Schönheit und Weisheit des Zölibats verstand ich zum ersten Mal, als Christa Chili-Schoten zwischen den Händen zerrieb, mich danach masturbierte und schließlich wünschte, dass ich sie – um es mit ihren Worten zu sagen – in den Arsch ficke.
Danach hätte die Rezension eigentlich auch zu Ende sein können, denn dass das besprochene Produkt nicht mehr als peinlichstes Hirngewichse des alternden Intellektuellen sein kann, ist sonnenklar. Man kann ja nun den Literatenmännchen jenseits der 50 schlecht verbieten, über Sex zu schreiben, und niemand wird bestreiten, dass das fast so schwierig ist wie der Sex selber. Gerade deswegen aber gilt es, ganz grundsätzliche Regeln einzuhalten, deren Verletzung auch den lustvollsten Text zu verkrampfter Genitalprosa macht:
1. “Masturbieren” ist, wenn überhaupt, ausschließlich intransitiv zu gebrauchen.
2. Die Verbindung “Ficken”+Konjunktiv geht niemals, nirgends, unter keinen Umständen, auf gar keinen Fall.
Freitag, 27. Juli 2007
Lebende Leichname ähnlich den Vampiren
Schön ist ja, dass sich Ende der sechziger Jahre in der Übersetzung von Fanons ‘Die Verdammten dieser Erde’ noch eine Fußnote zur Erläuterung des Wortes “Zombies” findet…
Donnerstag, 19. Juli 2007
Ein Gleiches
Wielands Hamlet ruft III, 2, 191 “Wurmsaamen, Wurmsaamen!” (wormseed) statt: “Wermut!” (wormwood).
Stadler (s.u.), S. 43.
Ein Gleiches
Das ganz gebräuchliche “den” für “even, evening” = Abend scheint Wieland für eine Abkürzung von “dinner” gehalten zu haben. Sein Mercutio begrüßt (Rom. II, 4, 116) die Amme mit: “Ein gutes Mittag-Essen geb euch Gott” statt mit: “Schönen guten Abend” (God ye good den).
Stadler (s.u.), S. 43.
Übersezerey
Fehler wie sie Lessing im 3. Literatur-Brief an Palthens Gray als typisch für die Übersetzungen aus dem Englischen aufgezeigt hatte, grobe Verwechslungen ähnlich lautender Worte und Formen sind auch bei Wieland nichts seltenes und führen mitunter zu den merkwürdigsten Entstellungen. So wird etwa in H4A. III, 1, 163 “cate” = Speise mit “cat” = Katze verwechselt, und Percy sagt von Glendower statt: “Viel lieber Lebt’ ich bei Käs’ und Knoblauch in der Mühle, Als dass ich schmaust’ (feed on cates) und hört’ ihn immer reden Im besten Lustschloß in der Christenheit” (Schlegel) bei Wieland: “Ich wollte lieber .. bei Käs und Knoblauch in einer Windmühle leben, und weit von ihm seyn; als Kazen fressen, und seinem Geschrey zuhören, in irgend einem Sommerhaus in der Christenheit”. Nicht minder wunderbar ist das Misverständnis, das ihm Tim. III, 6, 95 unterläuft. Timon, die falschen Freunde mit warmem Wasser bewirtend, schließt, auf die zugedeckten Schüsseln weisend, seine Ansprache mit den Worten: “Deckt auf, Hunde, und leckt!” (Uncover, dogs, and lap). Durch den Kursivdruck der Warburtonschen Ausgabe verführt, diese Worte als szenische Bemerkung anzusehen, hielt Wieland “lap” = lecken für gleichbedeutend mit “lap-dog” = Schooshund und kam zu der abenteuerlichen Übersetzung: “Man dekt auf und alle Schüsseln sind mit Hunden von verschiedner Gattung angefüllt”.
Ernst Stadler: Wielands Shakespeare. Straßburg 1910, S. 41f.
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