Nein, ich bin auch nicht der Meinung, dass die Welt unbedingt weitere Bücher über krass drauf seiende, perspektivlose Jugendliche braucht. Und ja, gelegentlich langweilt es, wie sie auch hier ficken, Drogen nehmen, Blut vergießen und KRASS drauf sind. Wenn man den Umschlagtext liest, packt einen das kalte Grauen: “In einer völlig neuen Sprache, die kreativ mit Regeln spielt, gelingt Dorota Masłowska ein ganz erstaunliches, zwischen poetisch und schmutzig, nostalgisch und rebellisch changierendes Porträt der Subkultur in einer heutigen polnischen Stadt.” Trotzdem hat mich “Schneeweiß und Russenrot” beeindruckt und (zwecks Fortsetzung der Lektüre) den einen oder anderen Umweg mit der U-Bahn nehmen lassen. Die Sprache (der innere Monolog eines krassen Ihr-wisst-schon) ist vielleicht nicht “völlig neu”, aber tatsächlich originell, in sich schlüssig und gelegentlich ziemlich komisch. Die Art, wie bestimmte Motive (die weiß-rote Flagge, die Russenfeindschaft, der ominöse “Zdzisław Sztorm”) immer wieder aufgegriffen werden, macht den Weg durch Blutkotzescheißesperma für den Leser etwas

unterhaltsamer und ist ziemlich gekonnt. Und (das darf glaube ich in keiner Besprechung dieses Buches fehlen und fehlt auch hier nicht): Die Autorin war erst 18, als sie das geschrieben hat. Krassomat. Lediglich einen anderen deutschen Titel hätte man sich gewünscht: Auf polnisch heißt das Buch
Wojna polsko-ruska pod flagą bialo-czerwoną [Der polnisch-russische Krieg unter weißroter Fahne], was nicht nur gut klingt, sondern auch einen Bezug zum Text hat, wohingegen die deutsche Fassung einfach nur Banane ist. Kennt jemand, der/die hier mitliest, das Buch? Mich würden mal andere Urteile interessieren. Das ist auch fast der Hauptgrund, warum ich das hier schreibe, denn eigentlich scheinen mir Blog und Buchrezension nicht so wirklich zueinander zu passen.