Nun haben Sie in den letzten Jahren - zunächst etwas halbherzig - das Erscheinungsbild unserer Zeitung etwas verändert und haben die Unverwechselbarkeit und sympathisch-idiosynkratische Note dafür auf dem Altar des Publikumsgeschmacks geopfert. Optisch spielt es ab heute kaum noch eine Rolle, welche Zeitung man aufblättert. Bezeichnenderweise spricht Werner D’Inka im Leitartikel des 5. Oktobers vom “Plebiszit”, und ich brauche nicht auszuführen, welche Konnotationen diesem Begriff innewohnen
, beklagt ein Leser, während ein anderer sich nicht scheut, persönlich zu werden:
Man wird schockierter Zeuge eines journalistischen Harakiri. (...) Adieu, unvergessliche F.A.Z., vielgeliebt, zuweilen auch hassgeliebt! Fast waren wir süchtig nach Dir. Heute, am Tage Deiner Selbstverstümmelung, nehmen wir traurigen Abschied.
Am eindrucksvollsten aber vielleicht die Drohung eines Dritten, die mich auch mein Projekt einer konservativen Reader’s Edition noch einmal überdenken lässt:
Vielleicht hätten die Herausgeber statt Bacons erneuerungsfroher Maxime besser das Ende des Philosophen beherzigt: Er starb - so wird überliefert - an den Folgen eines Experiments.
Lediglich die Vokabel “Krethi und Plethi”, die die großen Vereinfacher vor dem Altar des Publikumsgeschmacks doch ganz gut charakterisiert hätte, habe ich vergeblich gesucht.

