Fehler wie sie Lessing im 3. Literatur-Brief an Palthens Gray als typisch für die Übersetzungen aus dem Englischen aufgezeigt hatte, grobe Verwechslungen ähnlich lautender Worte und Formen sind auch bei Wieland nichts seltenes und führen mitunter zu den merkwürdigsten Entstellungen. So wird etwa in H4A. III, 1, 163 “cate” = Speise mit “cat” = Katze verwechselt, und Percy sagt von Glendower statt: “Viel lieber Lebt’ ich bei Käs’ und Knoblauch in der Mühle, Als dass ich schmaust’ (feed on cates) und hört’ ihn immer reden Im besten Lustschloß in der Christenheit” (Schlegel) bei Wieland: “Ich wollte lieber .. bei Käs und Knoblauch in einer Windmühle leben, und weit von ihm seyn; als Kazen fressen, und seinem Geschrey zuhören, in irgend einem Sommerhaus in der Christenheit”. Nicht minder wunderbar ist das Misverständnis, das ihm Tim. III, 6, 95 unterläuft. Timon, die falschen Freunde mit warmem Wasser bewirtend, schließt, auf die zugedeckten Schüsseln weisend, seine Ansprache mit den Worten: “Deckt auf, Hunde, und leckt!” (Uncover, dogs, and lap). Durch den Kursivdruck der Warburtonschen Ausgabe verführt, diese Worte als szenische Bemerkung anzusehen, hielt Wieland “lap” = lecken für gleichbedeutend mit “lap-dog” = Schooshund und kam zu der abenteuerlichen Übersetzung: “Man dekt auf und alle Schüsseln sind mit Hunden von verschiedner Gattung angefüllt”.
Ernst Stadler: Wielands Shakespeare. Straßburg 1910, S. 41f.

