Unter der Tatsache, dass Akronyme vielfach für eine besonders geistreiche und zeitgemäße Form der Belabelung gehalten werden, leiden nicht nur Leute, die in Pisa oder in einem Iglu wohnen. Auch all jene Wissenschaftler, die sich neben der Suche nach der Weltformel immer mehr mit Sponsoring und Drittmittelakquise beschäftigen müssen, wissen davon ein traurig’ Lied zu singen. Am Beispiel des Heinrich-Hertz-Instituts lässt sich das Drama anschaulich illustrieren: Sicherlich herzensgute, aber etwas weltfremde Physiker sehen sich plötzlich vor die Aufgabe gestellt, ihr Wirken fachfremden Techno- und Bürokraten mit kurzer Aufmerksamkeitsspanne präsentieren zu müssen. Zunächst werden die von den Kollegen Aufmerksamkeitsökonomen gemachten Vorgaben trotzig ignoriert, und es entstehen MoBüD, die Mobilen Bürgerdienste. Dieses ambitionierte Projekt fristet daraufhin ein trauriges Dasein, woran auch das regelwidrig großgeschriebene D nichts mehr ändern kann. Zähneknirschend beugt man sich dem Akronymzwang und ersinnt etwas mit dem Titel “Bringing User Satisfaction to Media Access Networks”, kurz BUSMAN. Diese Anspielung auf den “man on the Clapham omnibus” wird von niemandem verstanden, und man ist dem Ziel nicht nähegekommen. Bei BREAD ist erstmals ein allgemein als solches erkennbares Akronym entstanden, wobei die Herleitung von “BRoadband in Europe for All: a multi-Disciplinary approach” noch etwas bemüht wirkt. Die “Advanced Three-Dimensional Television System Technologies”, vulgo ATTEST, sind da anders, doch das diesem Apronym zugrundliegende Nomen ist den Investoren nicht sexy genug. Mittlerweile mit allen Wassern der Titulierung gewaschen, ersinnen die Berliner Forscher daraufhin ihr Meisterstück, das aus den gemachten Fehlern die entsprechenden Lehren zieht: Man nehme zum einen seine “Citizen-friendly Trans-European mGovernment Services”, zum anderen als Zielvorgabe einen locker-spritzigen Begriff, den man einfach sympathisch finden muss. Desweiteren schere man sich nicht weiter um den mangelnden Zusammenhang zwischen Zeichen und Bezeichnetem und gehe selbstbewusst und -ironisch mit der Definition von “Akronym” um, mit der das ganze Elend einmal angefangen hatte – Voilà!
Montag, 24. November 2008
d.O.d.D.
Dienstag, 18. November 2008
Marbach by numbers (II)
3. Das Literaturmuseum der Moderne (mit dem schrecklichen Kürzel LiMo).
4. Das Schiller-Nationalmuseum.
5. Ein Vogel (den man aufgrund des im Bild dokumentierten Nebels für eine Nebelkrähe corvus corone cornix halten könnte; es handelt sich jedoch um corvus corone corone).
Donnerstag, 13. November 2008
Marbach by numbers
1. Der weitgehend verdolte Strenzelbach.
2. Die unechte Teilortswahl; das Prinzip der u.T.
Mittwoch, 12. November 2008
Veranlagt sein
Ulf, der heutige Koch bei “Das perfekte Dinner”, kauft Eier nicht aus Käfig-, sondern aus Freilandhaltung, weil er
humanitär zu Hühnern veranlagtist.
Sonntag, 2. November 2008
~
Dass Umweltschutz nicht selten etwas ausgesprochen Reaktionäres an sich hat, wissen wir, etwa von den Grünen, wo in den Anfangsjahren so mancher stramm Nationaler mitmischte. Während solche Verbindungen hierzulande aber eher verschwiegen werden und allenfalls im Hintergrund wirksam sind, sind die USA bereits einen Schritt weiter:
[via Sociological Images, das wiederum via Goncourt]
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