Gibt es etwas Frivoleres, als einen Artikel mit dem schlecht gemachten Foto eines nichtssagenden Buchcovers zu illustrieren? Ein gewisses Entsprechungsverhältnis zwischen Bild und Text wird man mir allerdings nicht absprechen können, denn auch ich will nicht viel sagen. Nur, dass dieses Buch gut ist. Sehr gut sogar. Es ist so ungemein großartig, dass ich ein wenig bedauere, es nicht mit sechzehn gelesen zu haben (es hätte mich UMGEHAUEN), andererseits aber auch mit der späten Entdeckung sehr zufrieden bin. Sehr gut übrigens auch (jetzt kommt die charmante Umkehrung des eingangs Behaupteten) das Cover: Es besagt, dass es sich hier keinesfalls um einen Geheimtip handelt, was sympathisch ist. Wahrscheinlich kennen das auch schon alle außer mir und beneiden mich: “Och, Cortááázar noch einmal zum ersten Mal lesen können! Wie geil wär das denn!” Eine Illustration wäre, um zurück zum Cover zu kommen, ähnlich überflüssig gewesen wie das leider vorhandene sozialistische Nachwort, denn hier erklärt sich alles von selbst. Absolut kein Bedürfnis, irgendwelchen Bedeutungsebenen auf die Schliche zu kommen, die nicht schon im komplexen, aber verständlichen Text selber nachlesbar sind. Stattdessen Nachdenken über die Figuren, deren Handeln genau das richtige Maß zwischen Nachvollziehbarkeit und Fremdheit hat. Wie reizvoll und gleichzeitig völlig bescheuert wäre es doch, einmal ein argentinischer Bildungsbürger der 50er Jahre zu sein! Auf dem Schiff nach Paris mit gescheiten und wunderschönen Damen geistreich über Themen aus dem reichen gemeinsamen Kulturfundus der romanischsprachigen Welt plaudern, Chesterfields rauchen und abends in der Bar über einem Glas Whisky den melancholischen Alltag in der Hitze von Buenos Aires, ja, Buenos Aires, zu vergessen. Als Ausdruck schwüler, dem Untergang geweihter Virilität auch mal zum Revolver greifen, wenn es sein muss, aber ansonsten alles durch die rosarote Brille ironischer Ultraliberalität sehen. Privilegiert und verletzlich sein. Ja, das wärs. Stattdessen sitze ich hier, wo der Gipfel der Frivolität bereits mit dem Einstellen eines Fotos von zweifelhaftem semantischem Wert erreicht ist.
Sonntag, 29. April 2007
don't keep your distance
Freitag, 27. April 2007
o.T.
Also Freunde, folgendes: Stellt Euch mal vor, Ihr hättet ein Buch zu benennen. In diesem Buch würden Texte stehen, die Jugendliche über ihren Heimatbezirk, namentlich Berlin-Prenzlauer Berg, verfasst hätten. Der Untertitel wäre dementsprechend “Jugendliche schreiben über den Prenzlauer Berg” o.ä., sodass besagter Berg im Haupttitel eher nicht vorkommen sollte. Ansonsten sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Ich weiß, dass das hier höchstens fünf Leute lesen, aber wenn jede/r von den Fünf fünf Vorschläge machte, wären das ja schon ca. 25. Wer einen später tatsächlich auch genommenen Vorschlag macht, gewinnt ein Exemplar des Buches.
Mittwoch, 25. April 2007
Wimps and Posers, Leave the Hall
Nette Einteilung haben die da, bei Artist direct. Was sie aber auch haben, ist ein Interview mit Sage Francis, dem alten Bossanova-Haudegen. Und auf dessen Album freue ich mich, zumal er langsam in der Liga spielt, die live nicht mehr für mich in Frage kommt.
Aussichten
Gliese 581-Aufgang.
Gliese 581-Brand.
Gliese 581-Studio.
Gliestag.
Dienstag, 24. April 2007
Erfolgsrezept
Mäx hat im Interview mit Spiegel online das Erfolgsrezept seiner Band Die Killerpilze verraten. Das Geheimnis scheint zu sein, in welcher Reihenfolge die einzelnen Instrumente im Studio eingespielt werden:
Zunächst das Schlagzeug, dann die Drums, darauf die Gitarrenmelodien, dann der Bass und ganz am Schluss kommt der Gesang.
Um den Sound noch druckvoller werden zu lassen, empfehle ich, nach dem Schlagzeug und vor den Drums noch eine Schießbude einzuspielen.
Samstag, 21. April 2007
Bildungskanon
Ach, ihr Jungkonservativen. Wieviel Denkanstrengungen könnte man für sinnvolle Dinge verwenden, wenn ihr uns nicht immer wieder mit euren frechen und flippigen Aktionen fesseln würdet?
Freitag, 20. April 2007
Mignon
Wer glaubte, mit dem illustrierten Hemdkaufbericht sei hier der Gipfel der Seichtheit erreicht, kann ab sofort etwas anderes glauben: Da ich heute nichts kaufte außer Gemüse (nicht aus Nordkorea, nehme ich an), möchte ich die werte Leserschaft auffordern, sich die absolute Trivialität meiner Gemächer vorzustellen. Dort räumte ich auf. Aber so langweilig ist das gar nicht, man erfährt tatsächlich etwas über sich selbst. So habe ich offenbar die (üble!) Angewohnheit, des Nachts schlafzuwandeln und alte, rostige Batterien in selten beachtete Ecken zu werfen. Hätte ich sonst nie rausgefunden. Ich nehme an, dass die Energieströme hier jetzt ganz anders fließen. Beim Erstellen dieses Eintrags warf ich 1 Blick in den Duden, Band 8: Sinn- und sachverwandte Wörter.
Wir haben unsere eigenen Bunker

Und Gott sprach: »Gehet hin Ihr Böhmen und mähret Euch, auf dass sich die böhmischen Balken biegen und brechen.« »Wir haben unsere eigenen Pläne«, erwiderten die Böhmen und machten aus ihren Atombunkern feine Urlaubsdomizile.
Seit dieser Zeit sind für uns die böhmischen Bunker keine böhmischen Dörfer mehr. Was natürlich auch damit zu tun haben kann, dass für uns die böhmischen Dörfer keine böhmischen Dörfer mehr sind, aber wer weiß.
Jedenfalls lässt es sich über diesen Bunkern wunderbar Urlaub machen und das geht so: Man fährt nach Böhmen, fährt direkt zum Bunker, geht nicht hinein sondern hinauf und macht Urlaub. So einfach ist das. Geht zwei Wochen oder nur eine Woche, Hauptsaison, Nebensaison, Zimmer, Wellness, Sport und nicht zu vergessen die »Urquell-Stunde«: Zwischen 19 und 20 Uhr jedes Bier zum Preis von Einem. Herrlich!
Jetzt sagen natürlich Einige zu Recht, was sollen wir in Böhmen, am Arsch der Heide, am Anfang vom Ende, wo sich Fix und Foxi Gute Nacht sagen und den Lieben Gott nen guten Mann sein lassen, was sollen wir da und überhaupt, wir haben doch unsere eigenen Bunker.
Und das ist richtig, auch über deutschen Bunkern und Schutzräumen lässt sich famos urlauben, man muss nur wissen wie und wo. Das Wie lässt sich leicht erklären, ist im Prinzip genau wie in Böhmen, freilich ohne die Urquell-Stunde, die hast du dort natürlich nicht.
Zum Wo: Du fährst auf der Kreisstraße von Fulda nach Kaichen und biegst dort auf die B45 Richtung Nieder-Wöllstadt, dann fährst du immer geradeaus, ein paar Kilometer und dann kurz vor Ilbenstadt auf der linken Seite ist der Bunker, kannst du gar nicht verfehlen, wegen dem Funkmast, pardon, wegen des Funkmasten oder heißt das: wegen des Funkmastens, keine Ahnung, da ist jedenfalls so ein Funkmasten auf dem Dach von dem Bunker. Naja und der Rest genau wie in Böhmen, bis auf die Urquell-Stunde natürlich, die gibt es dort wohl nicht oder zumindest nicht, dass ich wüßte, vielleicht gibt es was Ähnliches oder Anderes, egal, die Werbebroschüre ist auf jeden Fall ein Gedicht:
Es gibt in Deutschland Tausende von zivilen Schutzräumen.
Es gibt in Deutschland Tausende von militärischen ABC Bunkern.
Aber es gibt in Deutschland nur einen Atombunker wie IHN.
Seine Einzigartigkeit hat gleich mehrere Gründe:
Er ist sicher der Einzige in den RAF Sympathisanten einbrachen.
Und er ist sicher der Einzige, in dem nach mittlerweile einem Vierteljahrhundert die Zeit in der Form stehen blieb, das die vom BKA Spurengesicherten Telefone und Schlösser oder Sprüche der RAF ORIGINAL erhalten blieben.
Etwas vergleichbares gibt es Bundesweit nicht:
Nicht militärisch, nicht zivil.
Nicht politisch und doch hochpolitisch.
Einsatzbereit doch nie genutzt,
vorbereitet…für den Ernstfall.
Mittwoch, 18. April 2007
Modell 6510
Der Zauber der Globalisierung brachte mich in die Lage, mein erstes nordkoreanisches Hemd, offenbar für den (post-?) sowjetischen Markt produziert, in einem Kreuzberger Secondhandladen zu erwerben. Der Weg, den dieses offenbar noch ungetragene Kleidungsstück von dort nach hier zurücklegte, regt die Fantasie an; mehr noch tun dies jedoch die dem Produkt massenhaft beigegebenen halluzinogenen Mottenvertilgungsmittel. Was mir der Große Führer in einer Vision offenbarte, erfahrt Ihr demnächst.
...
Ich sehe voraus: einen Ri(b)ot
Dienstag, 17. April 2007
~
Niedersorbische Verdumpfung: Wäre das ein Gemütszustand, so würde er meinem derzeitigen recht nahe kommen.
Samstag, 14. April 2007
Quo vadis, rechte Gesinnung?
Selbst die FAZ ist ins Lager der vaterlandsverräterischen, werterelativierenden Alt68er übergelaufen. Oder wie sonst soll man diesen finalen Dolchstoß gegen das Filbingerlager verstehen?
Ministerpräsident Oettinger (CDU), der sich am Freitag zu einer privaten Bildungsreise in einem Freizeitpark im badischen Rust aufhielt, äußerte sich nicht zur Kritik der Bundeskanzlerin.
Sehr gute Laune beim Frühstück gehabt; an diesen Film denken müssen.
Freitag, 13. April 2007
Barrio Alemán
Die drei Perkussionisten-Lurche, hässlich wie die Nacht, in der ich sie traf, waren alle drei schonmal in Kuba gewesen, und jeder war bestrebt, die beiden anderen in Sachen ekelhafte Gemeinplätze alt aussehen zu lassen. Es war gar nicht mal so sehr die äußerste Abgelutschtheit der ausgespuckten Phrasen, die mir die Currywurst im Halse stecken bleiben ließ, sondern eher die mitausgespuckte Gewissheit, ein ziemlich witziger und ziemlich welterfahrener Zeitgenosse zu sein. Eine Überlegung allerdings ließ mich dann doch aufhorchen: Alle drei wollten sie gerne in Kuba ansässig werden, und der jüngste, der auch schon mal in Toronto, Kanada, gewesen war und sich ansonsten eines servilen Schweigens befleißigte, sagte ungefähr folgendes: “Naja, wenn der alte Fidel erstmal abgekratzt ist, werden sich da im Tourismussektor doch einige Chancen auftun. Gerade uns Deutsche nehmen die doch mit Handkuss – bei unseren Erfahrungen mit Umwälzungen.” Genau Alter, dachte ich und war auf einmal ganz beglückt ob dieser Kollektivqualifikation und ob der Aussicht, diese drei elenden Dummschwätzer demnächst nach weit weit weg gebraindraint zu sehen.
Donnerstag, 12. April 2007
Mehr hatte das First Life nich zu bieten
Er: Mitte Fünfzig, leicht verwahrlost aussehend
Sie: Mitte Dreißig, Fleischereifachverkäuferin bei Kaisers
Er: Hey Süße, wie jehts?
Sie: Och naja, jeht so.
Er: Na, heut mussit doch jut jehn, bei dit schöne Wetta.
Sie: Ja, schönit Wetta heut.
Er [dämonisch zwinkernd]: Süße, wir faschtehn uns.
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