Nach einem komplett verpennten Tag doch noch mal das Haus verlassen, um dem alkoholgeschädigten Hirn Sauerstoff und anschließend weiteren Alkohol zukommen zu lassen. Über die eigene Leichtfüßigkeit beim Springen über im Laufe des Tages entstandene Pfützen gewundert. “Populärmusik aus Vittula” konnte nicht begeistern. Schwierigkeiten, die ganzen blonden Kinder auseinanderzuhalten. Frag mich, wie die Schweden das machen.
Montag, 29. Januar 2007
Illud iucundum nil agere
Sonntag, 28. Januar 2007
Flash Gordon vs. James Joyce
Nicht, dass ich in meinem Leben viele Pressemitteilungen gelesen hätte, aber das hier ist die Beste. Sofern es sich nicht um eine Fälschung handelt, was aber nicht so zu sein scheint. Man kennt das ja selbst: Nach zwei, drei Flaschen Wein schreibt es sich einfach viel lockerer, und auch die kulturellen Referenzen kommen mehr so aus dem Handgelenk, wie es ja eigentlich auch sein muss.
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Und dann
gab es da noch den Schulleiter, der seine Solaranlage vorführte und sagte: “Wer weiß, ob wir die nicht brauchen, wenn die Sowjetunion das Gas wieder abstellt.”
Donnerstag, 25. Januar 2007
Andere Orte, andere Diplomarbeitsthemen
Bereits seit meiner Kindheit ist mir die Erfahrung von Begegnungen mit nächtlichen, nicht menschlichen Wesen vertraut. Mit dieser Arbeit möchte ich mir einen neuen Zugang zu diesem Bereich erarbeiten.
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Mittwoch, 24. Januar 2007
Breaking News
“Ein Nebeneinander von Kontinuität und Veränderung” werde es mit ihr geben, kündigte Berlins zukünftige Senatsbaudirektorin Regula Lüscher Gmür soeben an.
Das linke Spektrum
Ich bin ja gerade in der Großstadt im linken Spektrum. Dort im linken Spektrum hat man in der Regel einen Abschluss in Journalistik von der Uni Dortmund und keine politische Gesinnung von der Stange. Auch andere Dinge lernte ich kennen: “aufregendes Obst” und Menschen, die Sabine Christiansen und Claus Kleber mögen. Und die 35 Stunden-Woche.
Dienstag, 23. Januar 2007
Studenten!
Ihr glaubt, die Melodie zu pfeifen, die bei “Kill Bill” gepfiffen wird, wäre witzig. Ihr glaubt, ein Radio-Eins-Tshirt zu tragen, wäre cool. Ihr glaubt, Eure Meinung zu Stadtteilfragen wäre interessant. Ich aber sage Euch: Dem ist nicht so.
Montag, 22. Januar 2007
Gesammelte Werke,...
...Band 21: Nicht nachgelassene Schriften.
Neuss-Rock
Einmal in Westdeutschland, so richtig Westen, gewesen für ein Wochenende nur, und man meint, erstmal eine Woche “wieder ankommen” zu müssen. Der diskrete Charme der Autobahn hat die seltsame Eigenschaft, auch nach zehn Stunden nichts von seiner Diskretion zu verlieren.
Dienstag, 16. Januar 2007
Bedürfnisse und ihre Berechtigung
Wie aus dem Nichts schepperte ihre Stimme: “KANN MAN HIER VIELLEICHT MAL SEINE RUHE HABEN? MEIN GOTT NOCHMAL!” Davor und danach sagte die Frau ohne Begleitung nichts. Hier fühlte sich offensichtlich jemand ganz gehörig beim Genuß von Kaffee und Zigarette gestört. Aus gutem Grund?
Nun, das Bedürfnis nach Ruhe ist – ganz allgemein und abhängig von Ort und Zeit – ja ein durchaus berechtigtes Anliegen. Dem ist nicht ernsthaft zu widersprechen. In diesem konkreten Fall allerdings handelte es sich bei dem Ort nicht um ein Kurcafé in Bad Bevensen, wo gerade eine Kindergartengruppe die Vogelhochzeit aufführte, sondern um den Bistrotisch vor der Stadtbäckerei am Zentralen Omnibusbahnhof. Und das zu einer Zeit, die am besten als Feierabendverkehr beschrieben werden kann. Insgesamt also eher eine Situation, in der eine Beschwerde über den herrschenden Lärmpegel weniger ein zustimmendes “GENAU! RICHTIG SO!” als vielmehr irritierte Blicke der Umstehenden erzeugt.
Nichtsdestotrotz sei der Frau unbekannterweise alles Gute und Erholung für ihre blank liegenden Nerven gewünscht.
Technik und Motor
Dass ich die gleichnamige dienstägliche Beilage der FAZ für sehr gelungen halte, ist bereits bekannt, sodass meine heutige Blattkritik kurz ausfallen kann. Sie beginnt auf Seite T1 (der ganze Politik- und Kulturkram davor ist halt wie immer), wo ich die Formulierung, dass
immer häufiger für die Begleichung der jährlichen Heizkostenrechnung der Dritturlaub geopfert werden muss,
milde tadeln möchte, weil sie doch etwas arg elitär daherkommt. Das macht aber gar nichts, denn spätestens auf Seite T5 ist mit dem blödesten Carl-Schmitt-Wortspiel, das ich je gehört habe, der Tag gerettet:
Souverän ist, wer über die Fernbedienung bestimmt.
Holla.
Freitag, 12. Januar 2007
Wohlgenährt
Den richtigen Beiklang hat sein Name ja schon, aber bisher hat Don Hugo von Almsinck die schurkischen Taten durchaus vermissen lassen, weshalb sein Namensvetter aus Venezuela unangefochten übelster und gefährlichster Hugo der Welt bleibt (Hugo Boss? Ach, ich bitte Sie. Wenn einmal SS-Uniformen designen reichen würde, da könnte ja nun wirklich jeder kommen). Im Gegensatz zu Franzis Sprössling tut Chavez° nämlich auch einiges, anstatt nur rumzublöken. Sein neuester Streich: Einführung des “Steinzeitsozialismus”. Schon dieses Ziel gibt den einen oder anderen Punkt auf der nach oben offenen Pol-Pot-Skala, perfide perfide perfide aber besonders die Maßnahmen, mit denen er es zu erreichen gedenkt: “Vor allem die Pläne, wichtige Industriezweige wie die Elektrizitätswirtschaft und das Telekommunikationswesen rückverstaatlichen zu wollen und der Zentralbank endgültig den Unabhängigkeitsstatus zu nehmen, nähren derlei Besorgnisse.” Vielen Dank an Josef Oehrlein von der FAZ für diese Klarstellung. Weder Nicholas Sarkozy, der mit der (Europäischen) Zentralbank ähnliche Pläne hat, noch meine Wenigkeit, der ich meine schwülstigen Verstaatlichungsphantasien bei jeder Party herausposaune, konnten doch ahnen, in welche Gesellschaft wir uns da begeben.
° Der Unirechner mag keine Akzente. Der dergestalt Verunstaltete “[m]it seinem ausgeprägten Hang zu Überheblichkeit und Selbstgerechtigkeit” möge es mir verzeihen.
Schützenhalle oder Maryteller
Regisseur ist übrigens Christian Görlitz, in dessen Vita neben Werken wie “Der Preis der Sehnsucht“ und “Nachts, wenn der Tag beginnt“ auch so unvergessene Serien wie “Unsere Hagenbecks“, “Große Freiheit“ und last but not least “Komissar Rex“ auftauchen. Man darf also gespannt mißtrauisch sein im Hinblick auf die Verfilmung von “Fleisch ist mein Gemüse”.
Förderung erhält der Film von nordmedia und zwar eine Summe von bis zu 360.299,28 €. Mmmhh. Ich sach ma so: Für ein Zehntel des Geldes wäre ich ein paar Abende mit meiner Kumpelbande im griechischen Restaurant “Athena” in Stelle eingekehrt, wo wir schöne Maryteller* bestellt und das gesellige Beisammensein auf Video festgehalten hätten. Nicht halb so teuer, aber dafür sehr gut.
* Gyros, Lammkotelett, Suflaki, Hacksteak und eine Alibi-Kartoffel. Wer's nötig hat, kann sich auch gerne ein Stück Petersilie vom Salatbuffet holen. Muß aber nicht.
Mittwoch, 10. Januar 2007
Herr, Deine Wege
Gestern bin ich über meinen Schatten gesprungen und habe mir Viagra gekauft. Das steht schon in der Bibel, nicht mit dem Viagra, aber mit dem Schatten: »Du sollst über deinen Schatten springen, deinen eigenen und nicht den deines Nächsten«. Hab ich gemacht und somit gleich zwei Fliegen mit einer Klatsche geschlagen. Das kam so:
Vor einiger Zeit hatte sich das weltweite Netz entschlossen, mir weiter keine Penisvergrößerungen anzubieten. Wie bei solch totalitären Systemen nicht unüblich, hatten sie vermutlich einen Tipp bekommen. Doch muss bei diesem Hinweis, wahrscheinlich aus meinem engsten Umfeld, irgend etwas schief gelaufen sein, denn kurz darauf erhielt ich Mails, die mit Zitaten aus dem Werk »Die Nachfolge Christi« des Augustiner-Mönches Thomas von Kempen für Viagra-Pillen warben: »‘REMEMBER THE INNUMERABLE GIFTS OF GOD’ and can’t find High Quality Medications that You need?« oder: »Lord, your fathers, have none a pipe mortar[zu deutsch: Rohrmörser]. BUY THAT PILLS«.
Wer sich jetzt die Frage stellt, was einen seit über 600 Jahren verschiedenen Augustiner-Eremiten zu einem Experten für Rohrmörser-Upgrades macht, sollte folgenden Hinweis in seine Betrachtungen einfließen lassen: Ein Mann, der 1380 in Kempen am Niederrhein – daher die in solchen Kreisen nicht unübliche Titulierung »von Kempen« – als Thomas Hemerken geboren wurde, was ins Hochdeutsche übertragen nichts anderes heißt als »Hämmerchen« bzw. »kleiner Hammer«, weiß, was es bedeutet, ein entbehrungsreiches, rohrmörserloses Leben zu führen.
Ich bin also gestern über meinen Schatten gesprungen und habe mir Viagra gekauft. Das steht schon in der Bibel, nicht mit dem Schatten aber mit Viagra: «BEHOLD, THY FATHER HAD STRETCHED IT.«
Der alte Atze Angst
Wer kennt ihn nicht den Unterschied zwischen Temperatur und gefühlter Temperatur. Man schaut auf das Thermometer: vier Grad und man hätte schwören können, es wären drei. Ja, so ist es mit vielen Dingen auf dieser Welt. Auf der einen Seite ist das unverrückbare Faktum und auf der anderen Seite die individuelle Perzeption. Einen ganz neuen Aspekt dieser Unterscheidung zeigt uns dieser Tage das Elbe-Geest-Wochenblatt auf. Ein beunruhigender Artikel über Kriminalität und Gesellschaft im Landkreis Harburg ist unter folgender Überschrift zusammengefasst: »Die gefühlte Angst vor Raub nimmt zu«. Nun könnten einige Schlaumeier einwenden: »Gefühlte Angst, gibt es noch eine andere Angst als eben die Gefühlte? Ja und wie wäre die dann, diese nicht-gefühlte Angst?« Nun kommt es es eben darauf überhaupt nicht an. Ich möchte mir daher an dieser Stelle erlauben, eine längere Passage aus diesem äußerst instruktiven Artikel zu zitieren.
»Halbwüchsige halten einem Mann in Stade eine Pistole an den Kopf, türmen mit 30 Euro. Eine Kumpelbande schlägt in Buchholz auf einen Jugendlichen ein, zieht ihn ab. Am Winsener Bahnhof erpressen zwei junge Männer mit einem Messer das Geld eines Radlers. Typische Fälle von Straßenraub in diesem Jahr. Was einst Großstädten zugeschrieben wurde, schwappt nun auf die Provinz über. ‘Junge Täter schlagen für wenig Beute brutal auf Schwache ein’, sagt Stades Polizeisprecher Rainer Bohmbach. Die Folge: Bei den Bürgern steigt die gefühlte Angst.«
Am besten gefällt mir der Terminus technicus »Kumpelbande«. Da denkt man sogleich an die Crips und Bloods in LA. Die Folge: gefühlte Angst. Und dann die Sache mit den Liliputanern, die mit 30 Euro türmen. Das klingt wie aus der Offenbarung des Johannes: Und es erschien ein anderes Zeichen am Himmel, und siehe, ein großer, roter Drache, der hatte sieben Häupter und zehn Hörner und auf seinen Häuptern sieben Kronen. Und eine Kumpelbande Liliputaner baute einen Turm, einen Turm zu Babel und siehe, er kostete nur 30 Euro. Doch bei den Bürgern stieg die gefühlte Angst vor Raub, nicht die Angst vor Raub, geschweige denn der Raub selbst, sondern das Gefühl die Angst vor Raub könne am Ende zugenommen haben.
Doch das nur nebenbei. Denn ist diese Gegend, dieser Speckgürtel um Hamburg, je treffender und kürzer charakterisiert worden als in eben dieser Weise. Das Krüppelwalmdach-Syndrom hat somit endlich einen Namen: die gefühlte Angst, die Furcht vor der Furcht.
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