Ach, ist das ein Theater mit der Deutschen Oper. Mozart abzusetzen, wegen einer Szene. Der König von Kreta und die vier abgeschlagenen Köpfe der großen Religionsstifter: Mohammed, Jesus, Buddha und Neptun. (Bei Neptun muss der Begriff Stifter wohl weniger im Sinne von »stiften tun« als vielmehr von »stiften gehen« aufgefasst werden.)
Aber klar, dass gerade die Neptun-Anhänger die Kopflosigkeit ihres Stifters nicht einfach auf sich sitzen lassen würden. In letzter Zeit ist in Untergrundkreisen wieder viel von Wasserbomben die Rede. Das werden feine Selbstmordattentate. Zehn Neptunianer bis Oberkante-Unterlippe mit Wasserbomben bewaffnet, stürmen die Deutsche Oper, um sich und die anderen Insassen in einem heroischen Akt zu ertränken. Heiliger Poseidon!
Auch die Buddhisten sollen schon mit den Hufen scharren. In LKA-Kreisen munkelt man, dass buddhismusintern schon über einen Einsatz von Steven Seagal nachgedacht wird, der sich ja selbst in 50 Prozent seiner Filme offen als Buddhist zu erkennen gibt. Meistens kurz bevor er einer Horde Koka-Bauern zeigt, wo der Bartel den Most holt. Und während die Drogen-Landwirte gerade ihrem Schöpfer gegenübertreten, ist Seagal längt wieder im nepalesischen Kloster, um dem Weltfrieden ein Oberton-Ständchen zu bringen.
Vielleicht sollte man diese ganzen Differenzen zwischen den vier Weltreligionen einfach dadurch beilegen, dass man die Stifter posthum gegeneinander antreten lässt.
Der Islam ist eine kriegerische Religion, wie jüngst in der FAZ zu lesen war?
Na dann mal Butter bei die Fische und in den Ring mit dem Stifter!
Wer gewinnt, Mohammed oder Neptun? Das würde ich gerne wissen.
Zweites Halbfinale: Jesus gegen Buddha. Mal sehen was unser alter Zausel so auf dem Kasten hat.
Oder:“Hey Buddha, feg den Hippie von der Platte!”
Darf natürlich kein Deathmatch sein, sonst hat der Nazarener Vorteile.
Egal, wer am Ende gewinnt, darf die Braut küssen oder dem König von Kreta seinerseits den Kopf abschlagen.
Ich glaube, ich setze auf Neptun. Ja, ich denke Neptun ist der Stifter meiner Wahl. Schon wegen dem Dreizack.
Mittwoch, 27. September 2006
Idomeneo
Dienstag, 26. September 2006
Voll das neue Dogma
Hier noch einige Ergänzungsvorschläge zu Lars von Triers Automavision : – Der Regisseur ist in diesem Konzept noch viel zu sehr hierarchisches Zentrum des Ganzen. Daher muss eine Person, die von Film keine Ahnung hat (Caterer, Anwalt, Fahrer), die Voreinstellungen übernehmen, die vom Computer dann natürlich noch geändert werden können. – Der Computer kann nach einem Zufallsprogramm die Umbesetzung der Rollen fordern. Dies kann vom Team mit Zweidrittelmehrheit (weibliche Hauptrollen) bzw. einfacher Mehrheit (sonstige) überstimmt werden. – Dem Computer muss außerdem die Möglichkeit gegeben werden, den Dreh bestimmter Szenen komplett zu unterbinden. – Diese werden im fertigen Film nicht einfach weggelassen, sondern durch vom Computer ausgewählte Filmsequenzen aus dem Internet ersetzt. – Im Kino, wo der fertige Film dann gezeigt wird, werden bestimmte Zuschauer nach einem Zufallsprogramm zu von einem weiteren Zufallsprogramm festgelegten Zeiten von der Vorführung ausgeschlossen.
Zusätzlich wäre noch zu überlegen, ob nicht der Computer als Produkt menschlicher Rationalität hier eine zu große Bedeutung erlangt und nicht vielleicht besser durch Tiere, Pflanzen oder Gestein zu ersetzen wäre. Hier ist eine praktische Umsetzung aber noch nicht in Sichtweite.
Der Unterschied zwischen guter und schlechter Science Fiction
Schlechte Science Fiction:
Die Außerirdischen sind in Berlin gelandet. Wowereit bleibt Bürgermeister; Sarazin Finanzsenator; Rest geht an die Aliens. Antwort der Aliens auf die Frage nach der Dauer der Amtsperiode:«200 Lichtjahre.«
Gute Science Fiction:
Die Außerirdischen sind in Berlin gelandet. Sie ernähren sich ausschließlich von Hundekot. In nur drei Tagen war Berlin abgegrast. Die Aliens sind daraufhin wieder in die Heimat. Die Hunde haben sie gleich mitgenommen. Begründung der Aliens:«Schluß mit dem Nomadentum.«
Sonntag, 24. September 2006
Rathenow
Die Faschos wohnen alle in derselben Straße. Gerne besuchen sie sich gegenseitig. Dann fährt etwa der von Nr. 1 zu dem von Nr. 6 – mit dem Auto natürlich, das er auf der Straße parkt. Im Vorgarten ist ja kein Platz, und im Carport steht schon das Auto des Besuchten. Wenn jetzt zusätzlich der Fascho von Nr. 4 den von Nr. 2 besucht und der von Nr. 8 den von Nr. 14, stehen schon drei Autos auf der Straße. Es wohnen insgesamt 40 Faschos dort, man kann sich denken, wieviele Autos auf der Straße stehen, es ist kein Durchkommen. Eigentlich wäre es praktischer, wenn sie sich mit dem Bus besuchen würden, aber dann müsste man zur Bushaltestelle laufen und von der Bushaltestelle dann noch zum gewünschten Haus. Das ist unpraktisch. Da könnte man ja gleich zu Fuß gehen.
Donnerstag, 21. September 2006
Helden der Heißluft
Mittwoch, 20. September 2006
TAFKAS
Das ist doch ein Witz, oder? Oder sollte wieder einmal die geballte Macht der Copyrightmafia eine Existenz zerstört haben?
Dienstag, 19. September 2006
Bibliothek
Die studentische Hilfskraft hinterm Tresen hat derzeit keine Gelegenheit zu Machtdemonstrationen. Keine Unerfahrenen, die es in die Schranken zu weisen gilt, weit und breit, und in den Ferien müssen dem Nutzer-Mob sogar Bücher zur Ausleihe überlassen werden. Wenn auch erst nach minutiöser Überprüfung der legitimierenden Dokumente. Gelegentlich kommt der schnöselige Doktorand zum Fachsimpeln vorbei. “Dietrich macht jetzt doch ein Colloquium.” “Ach ja?” “Warst Du Dienstag bei Meier gewesen?” “Ja, ich sollte ja mein Thema vorstellen, und da musste ich noch einiges mit ihm klären. War auch ganz nett, Stefan hat referiert, wenig Leute aber.” Dann kommt die bildhübsche Freundin des schnöseligen Doktoranden, und die studentische Hilfskraft bleibt alleine zurück hinterm Tresen. “Ja, dann bis morgen.” Er sieht der bildhübschen Freundin hinterher. Bildhübsch. Ein irrer Mentalitätshistoriker verlangt nach Auskunft über die Ausleihmodalitäten, er bekommt sie. Ausleihen darf er aber nichts, weshalb er seinen Stapel irrer mentalitätsgeschichtlicher Werke wieder Richtung Lesesaal schleppt. Die studentische Hilfskraft lehnt sich zurück, bleibt so, beugt sich wieder vor, bleibt so, drückt einen Knopf. Die Lautsprecher knacksen. “Die Bibliothek schließt in 15 Minuten”. Er sagt es ohne drohenden Unterton. Er sagt es überhaupt ohne Unterton. Der Nutzermob erwacht, tut, was zu tun ist. “Die Bibliothek schließt in fünf Minuten.” Gleich noch schön Kaffee, S-Bahnhof.
...und die Erde wird der schönste Platz im All...
Achmadinedschad (mich beeindruckt nebenbei gesagt die nonchalante Kompetenz, mit der Radio- und TV-Leute seinen Namen auszusprechen wissen) hat eine Lösung für die Probleme der Welt. Ja, für alle. Ich nehme an, das wird wieder irgendwas mit dem seinem Buddhismus zu tun haben.
Montag, 18. September 2006
Biobrotbonzen
Kreuzberg: Hauptstadt der (ökofaschistischen) Bewegung. Was ist das für ein Stadtteil, wo DirektkandidatInnen trotz behämmerter Slogans (“kiezgerecht”, “Kreuzberg verpflichtet”) und Wahlplakaten, die von Ziska mehr sehr schlecht als schlecht gestaltet sind, Mandate holen können? Graue Panther, holt mich hier raus!
Samstag, 16. September 2006
Essen, sozusagen serielles
“Beim lauwarmen Confit vom Kabeljau mit Tatar von Austern und Staudensellerie, gerösteten Kräutersaitlingen und Steinpilzcreme sollte man auf die Gewohnheit, bestimmte Elemente eines Gerichtes zu einem Akkord zusammenzustellen, verzichten. Durch die hier ausgeprägt wirksame Funktion des ‘Gewürzraumes’ (des Nachhalls von Aromen im Mund) ergeben sich beim sozusagen seriellen Essen immer neue Zusammenhänge.”
Ich bekenne, dass heute morgen beim Zeitungskauf einzig die Überlegung, sonst den Dollase zu verpassen, den Ausschlag für die FAZ gegeben hat. Warum schreibt der Mann nicht mal einen Roman? Nur die für einen Ex-Musiker überraschende Unbeholfenheit beim Hantieren mit Musik-Metaphern irritierte, ach was, verstörte mich beim seriellen Essen von Croissant und Müsli:
“Bei Kreationen dieser Art liegt die Schwierigkeit vor allem in der minutiösen Steuerung der Proportionen, durchaus vergleichbar dem Orchesterklang eines im Tutti gehaltenen Akkordes: Je nach Lage der Dinge könnte es als sehr störend empfunden werden, wenn etwa die Quinten durch falsche Instrumentierung (durch den Komponisten oder Dirigenten, also den Koch) oder undiszipliniertes Soiel (des Orchesters, also der Küchenmannschaft) zu kräftig wären und die Akkordwirkung beeinträchtigten.”
Wahrscheinlich kennt er nur serielle Musik, höhö.
Freitag, 15. September 2006
Mein Lieber Günter Grass,
in dem Kopf-an-Kopf-Rennen um die Gunst öffentlicher Aufmerksamkeit zwischen Natascha, Joachim Fest und Ihrer Person, gebührt die Krone des wahrhaften Könners und Manipulators doch ganz alleine Ihnen. Die Messlatte in diesem makaberen Spiel ist, wie bei makaberen Spielen nun einmal üblich, der letztmögliche, ja endgültige Maßstab überhaupt: der Tod. Hatte es Natascha immerhin acht Jahre Vorbereitung gekostet, ihren Peiniger im wahrsten Sinne des Wortes »zur Strecke« zu bringen und vermochte Joachim Fest am Ende nur den eigenen Tod in die Waagschale des öffentlichen Interesses zu werfen, so war es Ihnen, Günter Grass, hingegen möglich, dem Tod selbst, der ja bekanntlich ein Meister aus Deutschland ist, zur Hand zu gehen. Damit steht fest, Sie alleine sind in dieser Ménage à trois der einzig wahre »Todesking« und keine Natascha und kein Fest der Welt vermag sie auf jenem Terrain zu schlagen, auf dem Sie schon immer, Zeit Ihres Lebens zu Hause waren. Oder um es in Ihren eigenen Worten zu sagen: »Komm, lieber Tod, mach mich gesund.«
Wir wünschen beste Genesung.
ten steps that shook the world
Hoppla, der neue Danielewski ist da. Angeblich soll er das Experimentelle seines Vorgängers , der hiermit allen AUF DAS ENTSCHIEDENSTE empfohlen sein soll, noch “zehn Schritte weiterführen”, so zumindest amazon.com. Wo man dann landet, ist angesichts des ja bereits mit allen postmodernen Wassern gewaschenen “House of Leaves” etwas unklar (das hier zu findende Bild lässt Böses ahnen), aber trotzdem ist die Freude groß. Vielleicht gibts den Danielewski ja doch in echt (Thomas Pynchon hat ja demnächst ein eigenes Buch am Start).
Mittwoch, 13. September 2006
Liebes Café Morgenrot,
mal ein offenes Wort. OK, Du bist die einzige ansteuerbare Lokalität in der scheißversnobten Kastanienallee, und das strengt an. Ein freier Tag sei Dir deswegen gegönnt. Auch das Offenlassen der Türen trotz freien Tages ist angesichts der Temperaturen absolut im Bereich dessen, was man verständlich nennen könnte. Aber wie Dein ausnahmslos links-szeniges Personal einen anschnauzt, wenn man trotz – szeneintern wahrscheinlich seit langem bekannten – Schließungstag die – offene – Tür durchschreitet, das geht nicht. Ich muss jetzt gar nicht mit Servicewüste Deutschland, Der-Kunde-muss-König-sein usw. anfangen. Der linke! Philosoph Georg Lukács sprach einmal von der “transzendentalen Obdachlosigkeit”, die er in der Rosenthaler Straße empfinde, seit dort der “Eimer” für immer seine Pforten schloss. Soll es ihm und mir und uns allen in der Kastanienallee genauso gehen? Denk mal drüber nach.
Dienstag, 12. September 2006
Perfide Promotion
Vorbei die Zeiten, in denen Käufliches nur per Zeitungsanzeige oder Fernsehspot angepriesen wurde! Dahin die Gewissheit, dass Werbung und Nichtwerbung mit der liebenswerten Ausnahme von Gottschalks Gummibärchen sauber zu unterscheiden sind!
Nippelgate und Schleichwerbung im Marienhof haben den Luftballon der Verkaufsförderung stramm aufgeblasen, Günther Grass hat ihn jüngst geschmacklos platzen lassen. Damit schien zunächst die Messlatte unerreichbar hoch gelegt worden zu sein.
- In der Zwischenzeit hat sich der geplatzte Luftballon unbemerkt und auf wundersame Weise in ein randvolles Fass aus Holz mit Boden verwandelt –
Doch falsch gedacht: Joachim Fest ist es gelungen, seinem Buch “Ich nicht” durch seinen eigenen Tod punktgenaue Medienaufmerksamkeit zu verschaffen. Das ist der Tropfen, der das Fass der Verkaufsförderung überlaufen lässt und ihm gleichzeitig den Boden ausschlägt!
Es ist nicht allzu abwegig, zu vermuten, dass Joachim Fest zusammen mit Elvis und Kurt Cobain auf einer geheimen Insel beim Kartenspiel sitzt und hoch erfreut die steigenden Verkaufszahlen seines aktuellen Buches verfolgt.
Trends
IN: Sein
OUT: Schein
So heute die BZ.
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