Und bröckelt mit der kalten Stadt im Monde;
Wenn Logik nicht im ethischen Konnex,
Nein, kategorisch wuchtet; Mangel an Aufschwung
Bejahung stänkert; Klammerung an Zahlen,
(Zumal wenn teilbar), Einbeinung in den Gang
Nach Krankenhaus, Fabrik, Registratur
Im Knie zu Hausbesitzverein; Geschlechtsbejahung,
Fortpflanzung, staatlichem Gemeinsystem
Ingrimmige Bekehrung, – Tröstet den Trambahngast
Allein das farbenprächtige Plakat.
Gottfried Benn
Obwohl es in diesem Hause gute Tradition ist, mit dem letzten Teil von Reiseberichten etwas zu warten, will ich meinen doch mal zu Ende schreiben, bevor mir Guido Westerwelle zuvorkommt.
Das weißrussische Plakat also. In seiner klassischen Form ist es eigentlich gar kein Plakat, weil der zu vermittelnde Inhalt es rechtfertigt, dauerhaftere Trägermaterialien zu verwenden:
Natürlich gibt es auch im heutigen weißrussischen Staat noch Ewigkeitswerte, wenn auch (das ist angesichts der ungemein schrecklichen Geschichte dieses Landes verständlich) weniger festliche, die außerdem in leicht bedrohlicher Weise ins Bild gesetzt werden:
Irgendwann kam dann hinsichtlich der Heldentaten des Volkes trotzdem Verwirrung auf: Welches Volk ist denn überhaupt gemeint? Das sowjetische, das russische, das weißrussische? Wohl schon in Anerkennung der Tatsache, dass die Antwort auf diese Frage historischen Veränderungen unterworfen ist, wich man hier auf leicht auszutauschende Plakate aus. Die dafür notwendigen Halterungen waren vorhanden, vielleicht weil Weißrussland in den frühen 90er Jahren deutlich westlicher orientiert war als heute und damals mehr Werbung gezeigt wurde.
Ich weiß nicht, wer diese Herrschaften sind; warum sie mir ihre Nationalität zurufen, kann man sich vorstellen. Idealerweise sollte beim Betrachter folgender Eindruck entstehen:
Spätestens hier wird deutlich, dass diese лозунги im Gegensatz zu ihrem steinernen Vorbild nicht mehr über eine qua Medium gegebene Bedeutsamkeit verfügen: Sie müssen sich ihre Aufmerksamkeit erkämpfen, und das Ausrufezeichen wird zur Pflicht (s.a.). Wichtig ist natürlich, dass bei soviel nation-building der Spaß nicht zu kurz kommt. Gottseidank hat sich auch bei den zuständigen Stellen die Erkenntnis durchgesetzt, dass pädagogischer Wert und Humor einander nicht ausschließen müssen.
Übrigens spiegelt sich in diesem Plakat die “Национальная Школа Красоты” – die “Nationale Schule der Schönheit”. Die wäre mir einen eigenen Eintrag wert, wenn ich wüsste, worum es sich dabei handelt. So muss sie hier mit rein.
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