Freitag, 23. Dezember 2011
Mein Weihnachtsstatement
Sonntag, 28. November 2010
Season's Greetings
Wenn diese Zeilen in die Welt wandern, schlägt eine verlorene Menschheit wieder die tollsten Purzelbäume ihrer Verlogenheit: das Rührspiel “Friede auf Erden” beginnt, wenn diese Zeilen in die Welt wandern. Kreaturen, die heute noch das Sauf- und Rauflied “Die Wacht am Rhein” gröhlen, Subjekte, die heute noch den Armen den letzten Groschen erpressen, hyänische Zweifüssler, die aus Kulturschutt und Leichen Profit zu kratzen vermögen, – sie alle werden wieder das Rührspiel mitmimen, ein fettiges Blinzeln in den verquollenen Augen, die Wurstfinger über dem wichtigsten Körperteil gefaltet, werden sie an den Christbaum treten, und aufreizend wohlbehaglich wird es dann dröhnen: Fro-oie-e, frooije dich, o Christenheit…Sie haben die Tanne pomphaft mit glitzerndem Zierat behängt, harmlose Engelein blasen die frohe Botschaft, Flittersterne spiegeln Frieden in den stimmungsdicken Kerzenschein: aber das zarte Märchen zerbricht am brutalen Sein. Nirgendwann tritt die Seelenarmut dieser Menschheit so krass hervor, wie dann, wenn die Gefühlsschminke besonders stark auf den Larven liegt. Hätte diese Gesellschaft nicht ihr unerhört harthäutiges Gewissen, sie würde unter dem Weihnachtsbaum, wo Sein und Schein katastrophal aufeinanderprallen, aus Reue eine anständige Tat tun: sie würde, entsetzt über ihre unheilbare Verkommenheit, sorgsam Selbstmord begehen.
Das bringt sie nicht fertig. Diese Gesellschaft ist nicht so moralisch. So sollte sie aber wenigstens ehrlich unmoralisch sein. Sie sollte, schon um das Gewissen nicht zwecklos zu strapazieren, ihre Feste benutzen, um den Alltag zu verherrlichen, um das Raubtierdasein bewusst zu rechtfertigen, aber nicht um es für einige Stunden umzulügen, zu verraten! Eine Gesellschaft von dieser Aufrichtigkeit würde möglicherweise selbst das Weihnachtsfest beibehalten, aber würde nicht so roh sein, es zu verhöhnen, sondern es artig neu formen.
Denn sie muss sich besser fühlen, diese Gesellschaft, wenn sie am Christbaum lichtverklärt ihre wahren Ideale erblickt. Eine Tanne mag dastehen, aber sie darf nicht Friedensstimmung bedeuten, sondern Hass, Gier, Krieg. Von den Zweigen tropft roter Schnee, – das Blut der von der Gesellschaft Zerquälten; die Walnüsse sind kleine bleiche Köpfe bettelnder Proletarierkinder; Wachsfiguren, im Namen des Völkerrechts erschossene Soldaten darstellend, baumeln neben niedlichen Guillotinchen; famose Geldschrankattrappen sind neben zierlichen vergoldeten Zuchthausfenstern arrangiert; ein lachendes Gewirr von Lanzen, Schwertern, Bajonetten, Kanonen vervollständigt die Pracht, die oben, über allem, durch ein Helmspitze würdig gekrönt ist.
Und dann nichts von Christenheit! Der krächzende Sänger fühlt sich bei diesen Gesängen schlecht, und die Religion wird degradiert zur Saisonmode. Legt dem Phonographen eine Walze auf, dass er die “Lustige Witwe” kreischt. Ihr werdet euch köstlich amüsieren…
Franz Pfemfert: Christbaumschmuck. In: Die Aktion 2 (1912), Sp. 1637-1639.
Mittwoch, 23. Dezember 2009
Mein Weihnachtsstatement
Nach dem Weihnachtskonzert von bohren & der club of gore entließ die Band das Publikum in die schneeweiße Nacht mit den einfachen, aber wahren Worten, die ich hiermit an meine Leserschaft weitergeben möchte:
Bleibt fröhlich.
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