Einmal in Westdeutschland, so richtig Westen, gewesen für ein Wochenende nur, und man meint, erstmal eine Woche “wieder ankommen” zu müssen. Der diskrete Charme der Autobahn hat die seltsame Eigenschaft, auch nach zehn Stunden nichts von seiner Diskretion zu verlieren.
Montag, 22. Januar 2007
Neuss-Rock
Mittwoch, 10. Januar 2007
Der alte Atze Angst
Wer kennt ihn nicht den Unterschied zwischen Temperatur und gefühlter Temperatur. Man schaut auf das Thermometer: vier Grad und man hätte schwören können, es wären drei. Ja, so ist es mit vielen Dingen auf dieser Welt. Auf der einen Seite ist das unverrückbare Faktum und auf der anderen Seite die individuelle Perzeption. Einen ganz neuen Aspekt dieser Unterscheidung zeigt uns dieser Tage das Elbe-Geest-Wochenblatt auf. Ein beunruhigender Artikel über Kriminalität und Gesellschaft im Landkreis Harburg ist unter folgender Überschrift zusammengefasst: »Die gefühlte Angst vor Raub nimmt zu«. Nun könnten einige Schlaumeier einwenden: »Gefühlte Angst, gibt es noch eine andere Angst als eben die Gefühlte? Ja und wie wäre die dann, diese nicht-gefühlte Angst?« Nun kommt es es eben darauf überhaupt nicht an. Ich möchte mir daher an dieser Stelle erlauben, eine längere Passage aus diesem äußerst instruktiven Artikel zu zitieren.
»Halbwüchsige halten einem Mann in Stade eine Pistole an den Kopf, türmen mit 30 Euro. Eine Kumpelbande schlägt in Buchholz auf einen Jugendlichen ein, zieht ihn ab. Am Winsener Bahnhof erpressen zwei junge Männer mit einem Messer das Geld eines Radlers. Typische Fälle von Straßenraub in diesem Jahr. Was einst Großstädten zugeschrieben wurde, schwappt nun auf die Provinz über. ‘Junge Täter schlagen für wenig Beute brutal auf Schwache ein’, sagt Stades Polizeisprecher Rainer Bohmbach. Die Folge: Bei den Bürgern steigt die gefühlte Angst.«
Am besten gefällt mir der Terminus technicus »Kumpelbande«. Da denkt man sogleich an die Crips und Bloods in LA. Die Folge: gefühlte Angst. Und dann die Sache mit den Liliputanern, die mit 30 Euro türmen. Das klingt wie aus der Offenbarung des Johannes: Und es erschien ein anderes Zeichen am Himmel, und siehe, ein großer, roter Drache, der hatte sieben Häupter und zehn Hörner und auf seinen Häuptern sieben Kronen. Und eine Kumpelbande Liliputaner baute einen Turm, einen Turm zu Babel und siehe, er kostete nur 30 Euro. Doch bei den Bürgern stieg die gefühlte Angst vor Raub, nicht die Angst vor Raub, geschweige denn der Raub selbst, sondern das Gefühl die Angst vor Raub könne am Ende zugenommen haben.
Doch das nur nebenbei. Denn ist diese Gegend, dieser Speckgürtel um Hamburg, je treffender und kürzer charakterisiert worden als in eben dieser Weise. Das Krüppelwalmdach-Syndrom hat somit endlich einen Namen: die gefühlte Angst, die Furcht vor der Furcht.
Samstag, 18. November 2006
Pack schlägt sich
Interessante Zustände bei den Jungunionisten in Rüttgers-Land:
Mal was anderes

Neulich bin ich beim Mittelstand gewesen, denn er hatte eingeladen: Jan Hofer, Friedrich Merz und weitere Prominenz. Und auch ich durfte kommen, durfte bleiben und sogar mitschreiben. Das fand ich nett, denn was die Anwesenden zu erzählen hatten, war von keiner großen Freundlichkeit für mich und meinesgleichen Lohnabhängige. Freundlicher war man aber zur Kunst, zur “Gemeinschaftskunst”, wie es der Vertreter der Commerzbank nannte. Prominent stellte man sie in den Bühnenhintergrund, fünf Schauspieler gaben dann typische Vertreter von Mittelstand, Politik und uneinsichtigem Volk. Da gab es zum Beispiel einen Lackfabrikanten, der einer unbekannte schöne Kunststudentin im Museum zu einem Praktikum in seinem Betrieb verhilft, den verbitterten Aufsteiger-Stahlproduzenten, dem der bodenständige Mittelständler rät, doch ein wenig in die Bildung der Belegschaft zu investieren und die visionäre Juristin, die sich über das “Konsensgequatsche” aufregt.
Auch die Beiträge der Podiumsdiskussion konnten diese Biederkeit nicht abwechslungsreicher gestalten: zu schwerer Sozialballast, zu geringe Lohnspreizung nach unten, Geiselhaft der Gewerkschaften, mangelnde Bildung, demographische Herausforderung and the blahblahblah. Nach kontroversem Einvernehmen kam dann “Günna”, machte einen Spruch, dass mit Mineralwasser ja nix aus dem Mittelstand werden könne, der Veltins-Vertreter auf dem Nachbarsitz krümmte sich vor Lachen und als man ausgelacht hatte, begab man sich nivelliert ans Buffet, ich aber an die Pommesbude.
Sonntag, 12. November 2006
Nazis!
Ich habe sie gesehen. Es waren drei. Sie kamen aus Potsdam-Mittelmark. Sie hatten einen gewaltigen Depeche-Mode-Aufkleber am Auto.
Donnerstag, 9. November 2006
De Welt op platt
Im Vergleich zu den Zuständen in Spanien scheinen die deutschen Minderheiten relativ friedlich. Niemand erwartet etwa von den Plattdeutsch Sprechenden, dass diese einen Kulturkampf gegen das Hochdeutsche betreiben, sich abspalten oder gar die Welt erobern wollten. Zumindest letzteres wäre mit solchen oder gar solchen Informationen aber auch gar nicht so leicht.
Montag, 16. Oktober 2006
Modernisierung um jeden Preis
Der Zukunft zugewandte Stalinisten legten ja dereinst einen großen Teil ihrer sprichwörtlichen Hoffnung in ein Bergsteigerinstrument. Nun ist dieses zeitgleich mit dem Stalinismus durch ein Fibercarbonat-Produkt ersetzt worden, so dass ich gerne folgende Frage beantwortet hätte. Welcher Mittel bedarf es, um dem großen Sauerländer Franz Müntefering ihm seine eigene Dummheit angemessen zu würdigen?
Persönlich würde ich Einzelhaft in der Mescheder Klosterabtei, Zwangslektüre und Dauerbeschallung mit “Glück Auf, der Steiger kommt” vorschlagen.
Sonntag, 24. September 2006
Rathenow
Die Faschos wohnen alle in derselben Straße. Gerne besuchen sie sich gegenseitig. Dann fährt etwa der von Nr. 1 zu dem von Nr. 6 – mit dem Auto natürlich, das er auf der Straße parkt. Im Vorgarten ist ja kein Platz, und im Carport steht schon das Auto des Besuchten. Wenn jetzt zusätzlich der Fascho von Nr. 4 den von Nr. 2 besucht und der von Nr. 8 den von Nr. 14, stehen schon drei Autos auf der Straße. Es wohnen insgesamt 40 Faschos dort, man kann sich denken, wieviele Autos auf der Straße stehen, es ist kein Durchkommen. Eigentlich wäre es praktischer, wenn sie sich mit dem Bus besuchen würden, aber dann müsste man zur Bushaltestelle laufen und von der Bushaltestelle dann noch zum gewünschten Haus. Das ist unpraktisch. Da könnte man ja gleich zu Fuß gehen.
Montag, 4. September 2006
Bombe nicht geplatzt
So, an dieser Stelle mal echter Premium Content, von einem der dabei war und nicht schweigen kann, bis die Wahrheit von allen Mauern widerschallt. Am Freitag war ich als nichtsahnend vorbeikommender Passant auf dem Weg von Marburg in meine schöne Heimat Arnsberg. Und als ich dann am Bahnhof Wilhelmshöhe aussteige, wundere ich mich ob der eng gepferchten Massen in der Bahnhofshalle. Ist halt Kegelgruppenfreitag, denke ich, der Sauerland Stern soll ja eine tolle Massage bieten, aber schon einige Meter weiter gefriert mir das Blut in den Adern. Eine Reihe von Sicherheitsbeamten hat sich zwischen mir und dem begehrten Kamps’schen Marzipan-Croissant postiert, Terrorverdacht, Bombenstimmung, was auch immer. Mit besorgten Gedanken über meine Bartlänge muss ich also auf den Bäcker im Tegut ausweichen, hat den Vorteil, dass die Sprite da ungefähr 1,50€ günstiger ist. Also gehe ich um den Bahnhof herum, den Gedanken an die Bombe ängstlich in mir tragend. Mit Brötchen, Sprite und Tofu-Burger im Rucksack kehre ich schließlich ans Gleis zurück, mein Zug kommt nur leicht verspätet an. Ich lasse mich auf einem freien Platz nieder und freue mich auf Brotzeit als ein leises Murmeln meine Aufmerksamkeit fesselt: “Sind mit ca.12minütiger Verspätung in Kassel eingefahren, der Aufenthalt verzögert sich aufgrund eines Bombenalarms, verlassen den Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe um Punkt 13.22.” Hurra, freue ich mich, endlich lernst du mal Walter Kempowski kennen, vielleicht kriegst du jetzt einen Platz in der kommentierten Ausgabe von “Das Echolot, Band 25”, in dem alle Änderungen von der Manuskriptfassung der Karteikarte bis zur dritten Auflage des evangelischen Bücherdienstes sechsspaltig dokumentiert sind. Doch leider fehlt der Schnurrbart-ein ganz gewöhnliches Ehepaar aus der Flakhelfer-Generation mit Dokumentationszwang und einem guten Tipp: “Diese Leute haben es ja mit der Symbolik. Am 11. September sollte man es tunlichst vermeiden, Zug zu fahren, tunlichst.” Na, dann weiß ich ja Bescheid.
Freitag, 1. September 2006
Deutsch ist geil
Verzeihung, dass ich hier wieder nur Links weiterreiche und den journalistischen Premium-Content bisher vermissen lasse, aber ich musste so lachen.
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