Vulkanbedingt nach zwei Stunden Zugfahrt in Stettin anstatt nach zweieinhalb Stunden Flug in Barcelona. 1:0 für die Naturgewalt. Aber was soll’s, wer interessiert sich schon für Modernisme und Tapas, wenn die Gelegenheit besteht, in die – laut Medienberichten – unendliche kollektive Trauer eines Landes einzutauchen.
Auf dem Weg vom Bahnhof zum Hotel steckt in der scheinbar obligatorischen Flaggenhalterung an jedem Haus die weiß-rote Flagge mit schwarzem Band, der Fernseher in der Hotelbar zeigt die Särge auf halbem Wege zur Wawelkathedrale. Wahrscheinlich sind eine Woche lang alle Geschäfte, Museen und Restaurants geschlossen. Ein Urlaub, so reizarm wie die Norddeutsche Tiefebene, steht bevor.
Ein erster Spaziergang durch Stettin sorgt für Erleichterung. Die vielen Pärchen, die vernünftigerweise auf die Beerdigungszeremonie im Fernsehen verzichtend an der Hakenterrasse sitzen und dort bei strahlendem Sonnenschein sich selbst und den Blick auf die Westoder genießen, vermitteln nicht den Eindruck, dass die Trauer so unendlich und so kollektiv ist wie zunächst erwartet. Es sieht so aus, als ob man auch trotz der aktuellen Situation – jetzt kommt das Wortspiel, für das ich den ganzen Aufwand hier betreibe – Gaudì in Polen haben kann.
Dienstag, 27. April 2010
Vier Tage Stettin, Erster Teil: Trauer
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