Die Lokalpresse des Landkreis Harburg ist vollgestopft mit Dingen, von denen jedes einzelne Ding als hinreichender Grund fürs Zeitunglesen ausreicht. Der vorige Beitrag hat diese These aufgestellt, dieser Beitrag bestätigt sie. Dazu ist es erst einmal notwendig, das Online-Archiv der Kreiszeitung Wochenblatt aufzurufen: http://kreiszeitung-wochenblatt.de/index.php?id=14. Dort wähle man unter “Erscheinungstag Samstag” vom Wochenblatt für Nordheide und Elbe & Geest die Ausgabe vom 14.08.2010. Nach Initialisierung der PDF-Datei springe man direkt zur Seite 12, wo die Feierlichkeiten zum hundertjährigen Jubiläum des TSV Auetal beworben werden. Bei eben diesen Feierlichkeiten sorgt “DJ Ötzi Double” für Stimmung. Nähere Infos zu ihm gibt es unter http://www.oetzi-double. Verwechslungsgefahr besteht mit einer in derselben Branche arbeitenden Person, die unter folgender Adresse im Internet zu erreichen ist: LIVE – Double <">http://www.dj-oetzi-double.de/. Letzterer DJ hat die besseren Referenzen. Vielleicht sind beide aber auch dieselbe Person. Schließlich doublen beide dasselbe Original und sehen sich somit auch gegenseitig so täuschend ähnlich, dass sie auch miteinander identisch sein könnten. Das lässt sich nicht abschließend klären, so dass ich noch auf mein Highlight dieser Ausgabe verweisen möchte: Die Todesanzeige von Frau Schmidt auf Seite 38.
Montag, 16. August 2010
Das Wochenblatt vom 14.08.
Freitag, 9. Januar 2009
Geschichte und Musik
Zeitungszeugen: Wenn wir von dem idiotischen Titel einmal absehen, eine hervorragende Idee. Historische Zeitungen verraten zwar keine Fakten, die man nicht anderswo besser nachlesen könnte, aber durch ihre kunterbunte Zusammenstellung (Schlagzeilen – Lokalteil – Werbung – Wetter – Kleinanzeigen – Reportage) erreichen sie ganz von selbst eine polyperspektivische, unhierarchische Sichtweise, die man sich in der Geisteswissenschaft erst mal erarbeiten musste. Wobei normalerweise nicht immer die Zeit und Motivation da ist, sich derlei Dokumente zu verschaffen (und wer schon einmal in einer Bibliothek den “Völkischen Beobachter” bestellt hat, weiß, dass es da zusätzlich eine gewisse Schwelle zu überschreiten gibt, die am Kiosk wegfällt). Also jekauft dit Ding. Und in der U-Bahn die “Reichsausgabe” der “Deutschen Allgemeinen Zeitung” vom 31. Januar 1933 gelesen, was einem spezielle Blicke einträgt, aber die Bereitschaft, so eine Reihe zu abonnieren, erstmal nicht schmälert. Dann aber die Ummantelung des Ganzen: Eine Katastrophe. Dass man Zeitungen wie “Der Angriff” mit Leitartikel des Herausgebers Dr. Goebbels nicht unkommentiert lassen kann, ist ja klar. Allerdings besteht der Kommentar aus einigen läppischen Seiten, die, wenn nicht “Prof. Dr. Wolfgang Benz” drunterstehen würde, ebensogut aus einem Schulbuch für die 5. Klasse hätten kommen können. Desweiteren haben wir eine Einführung in die Fraktur (was sicher richtig ist), die bei der Transkription eines kurzen Beispieltextes zwei Fehler macht. Wir haben eine Zeitungsauswahl, die (durch die Hereinnahme einer kommunistischen, einer Nazi- und einer Dazwischenzeitung) Ausgewogenheit suggeriert, als Zeitung der Mitte aber die schon erwähnte, sehr rechte “D.A.Z.” nimmt. Wir haben als Extra dieses Poster, das angesichts der thematischen Ausrichtung der Reihe für die nächsten Ausgaben faschistische Plakate erwarten lässt. Muss ich mir die dann alle aufhängen? Wir haben ein Abomodell (Vergünstigungen bei Abschluss bis zum 31. Januar), das haargenau dem Nazi-“Angriff” entnommen ist. Und wir haben einige Thesen zur Geschichtphilosophie, die für die erwünschte Diskussion Böses erahnen lassen:
Ich finde es wichtig, den Menschen die Geschichte des Landes nahe zu bringen und sie lebendig zu halten. Deshalb finde ich das Projekt sehr gut und hoffe, dass es alle Generationen erreicht.
sagt zum Beispiel Michael Stich, der gewohnt kontrovers argumentierende Citoyen erster Güte. Auch der mir persönlich unbekannte Björn Casapietra hat sich so seine Gedanken gemacht:
Geschichte ist wie Musik: Man muss sie erleben können, um sie zu begreifen. Zeitungszeugen macht deutsche Geschichte hautnah nachvollziehbar – ein wertvolles Projekt.
Geschichte ist wie Musik – das gibt dem Zeitungszeugen-Lesen in der U-Bahn, das vielen die iPod-Berieselung ersetzen wird, natürlich eine ganz andere Note.
Ich werde den Schwachsinn wohl leider weiterhin kaufen. Aber die “Zeitungszeugen”, die von durchaus namhaften Historikern unterstützt werden, lassen mich von meiner bisherigen Überzeugung Abstand nehmen, eine wissenschaftlich kommentierte, frei verkäufliche Ausgabe von “Mein Kampf” sei eine gute Sache. Der nächste, nein, nicht Hitler, der nächste Moritz Fürste kommt bestimmt. Und er wird etwas ähnliches sagen, wie es der “Hockey Champion” schon jetzt gesagt hat:
Ich finde, es ist eine innovative und interessante Idee. Gut zu lesen und anschaulich aufbereitet.
Samstag, 5. Juli 2008
Independent-Plattencover
Montag, 2. Juni 2008
Russians love the sunshine too
[via]
Mittwoch, 30. Januar 2008
~
Jetzt, wo ich es gerade posten will, verlässt mich doch etwas mein Vertrauen in die eigene Speicherkapazität für unnütze Daten, aber wenn mich nicht alles täuscht, hat dieser Herr hier heute oder morgen Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch also! Übrigens ist das Beenden von Sätzen mit “in Deutschland” ganz schlechter Stil, nicht nur in Deutschland.
Mittwoch, 23. Januar 2008
Wenn der Satz "Ich möchte mich nicht unterhalten, danke" im Repertoire fehlt
Am 18.01.2005 habe ich eine E-Mail verschickt – ja, ich archiviere E-Mails, nicht alle, aber die wichtigsten, um später einmal in der Lage zu sein, selbst im Falle einer Alzheimererkrankung noch eine astreine Autobiographie abzuliefern, Vorsorge ist schließlich die halbe Miete. Wie dem auch sei, Inhalt dieser E-Mail war die Transkription eines Gesprächs zwischen einem gescheiterten mittdreißiger (gm) und einer angehenden architektin (aa), das durchaus so fetzenartig war, wie es sich liest*:
gm: studieren sie architektur?
aa: ja.
gm: innen- oder aussenarchitektur?
aa: architektur und städteplanung.
pause
gm: also das aussen?
...
aa: haben sie auch architektur studiert?
gm: so was ähnliches.
pause
gm: maschinenbau.
...
gm: was haben sie denn gelernt?
aa: nichts weiter. ich habe gerade mit dem studium begonnen.
gm: sie können sich exmatrikulieren lassen.
aa: also eigentlich wollte ich erstmal weiterstudieren.
gm: lassen sie sich exmatrikulieren. machen sie erst eine ausbildung. das ist besser.
...
gm: wir sehen uns dann in fünf jahren in <a href="http://www.viaduk.de/anbieter1/diakonieverband/stoevchen.html" title="Psychosoziale Kontaktstelle für Menschen mit persönlichen Krisenerfahrungen und unterschiedlichen Krankheitsverläufen">lüneburg im stövchen</a>.
aa: was ist das?
gm: wo arme leute hingehen. oder bei der lüneburger tafel. essensausgabe.
...
gm: studieren wird ja jetzt sehr teuer. das kostet 500 euro pro semester.
aa: nicht, wenn man in hamburg angemeldet ist.
gm: doch. sie müssen auch 500 euro bezahlen. haben sie reiche eltern?
aa: nein.
gm: dann wird es sehr schwer für sie.
pause
gm: sehr schwer für sie.
- Nicht, dass ich mich daran erinnern könnte, aber ich habe ja die E-Mail zum Nachschlagen. Nur um nochmal die Vorteile der E-Mail-Archivierung zu verdeutlichen.
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