Physiognomische Fragmente zur Beförderung der Menschenkenntnis und Menschenliebe
Sonntag, 8. Oktober 2006
Lavater à gogo
Montag, 2. Oktober 2006
Früh übt sich
Das einzige, was die Österreich-Wahl gebracht hat, ist die Bezeichnung “Jung-Demagoge” für HC Strache (bei Spiegel Online). Wenn der kleine Hooligan dann volljährig ist und noch einige Demagogik-Seminare an der DU besucht hat, kann er es noch zum Elder Statesman der Demagogie bringen. Feingeister sagen auch Doyen dazu.
Dienstag, 19. September 2006
Bibliothek
Die studentische Hilfskraft hinterm Tresen hat derzeit keine Gelegenheit zu Machtdemonstrationen. Keine Unerfahrenen, die es in die Schranken zu weisen gilt, weit und breit, und in den Ferien müssen dem Nutzer-Mob sogar Bücher zur Ausleihe überlassen werden. Wenn auch erst nach minutiöser Überprüfung der legitimierenden Dokumente. Gelegentlich kommt der schnöselige Doktorand zum Fachsimpeln vorbei. “Dietrich macht jetzt doch ein Colloquium.” “Ach ja?” “Warst Du Dienstag bei Meier gewesen?” “Ja, ich sollte ja mein Thema vorstellen, und da musste ich noch einiges mit ihm klären. War auch ganz nett, Stefan hat referiert, wenig Leute aber.” Dann kommt die bildhübsche Freundin des schnöseligen Doktoranden, und die studentische Hilfskraft bleibt alleine zurück hinterm Tresen. “Ja, dann bis morgen.” Er sieht der bildhübschen Freundin hinterher. Bildhübsch. Ein irrer Mentalitätshistoriker verlangt nach Auskunft über die Ausleihmodalitäten, er bekommt sie. Ausleihen darf er aber nichts, weshalb er seinen Stapel irrer mentalitätsgeschichtlicher Werke wieder Richtung Lesesaal schleppt. Die studentische Hilfskraft lehnt sich zurück, bleibt so, beugt sich wieder vor, bleibt so, drückt einen Knopf. Die Lautsprecher knacksen. “Die Bibliothek schließt in 15 Minuten”. Er sagt es ohne drohenden Unterton. Er sagt es überhaupt ohne Unterton. Der Nutzermob erwacht, tut, was zu tun ist. “Die Bibliothek schließt in fünf Minuten.” Gleich noch schön Kaffee, S-Bahnhof.
...und die Erde wird der schönste Platz im All...
Achmadinedschad (mich beeindruckt nebenbei gesagt die nonchalante Kompetenz, mit der Radio- und TV-Leute seinen Namen auszusprechen wissen) hat eine Lösung für die Probleme der Welt. Ja, für alle. Ich nehme an, das wird wieder irgendwas mit dem seinem Buddhismus zu tun haben.
Freitag, 15. September 2006
Mein Lieber Günter Grass,
in dem Kopf-an-Kopf-Rennen um die Gunst öffentlicher Aufmerksamkeit zwischen Natascha, Joachim Fest und Ihrer Person, gebührt die Krone des wahrhaften Könners und Manipulators doch ganz alleine Ihnen. Die Messlatte in diesem makaberen Spiel ist, wie bei makaberen Spielen nun einmal üblich, der letztmögliche, ja endgültige Maßstab überhaupt: der Tod. Hatte es Natascha immerhin acht Jahre Vorbereitung gekostet, ihren Peiniger im wahrsten Sinne des Wortes »zur Strecke« zu bringen und vermochte Joachim Fest am Ende nur den eigenen Tod in die Waagschale des öffentlichen Interesses zu werfen, so war es Ihnen, Günter Grass, hingegen möglich, dem Tod selbst, der ja bekanntlich ein Meister aus Deutschland ist, zur Hand zu gehen. Damit steht fest, Sie alleine sind in dieser Ménage à trois der einzig wahre »Todesking« und keine Natascha und kein Fest der Welt vermag sie auf jenem Terrain zu schlagen, auf dem Sie schon immer, Zeit Ihres Lebens zu Hause waren. Oder um es in Ihren eigenen Worten zu sagen: »Komm, lieber Tod, mach mich gesund.«
Wir wünschen beste Genesung.
Dienstag, 12. September 2006
Perfide Promotion
Vorbei die Zeiten, in denen Käufliches nur per Zeitungsanzeige oder Fernsehspot angepriesen wurde! Dahin die Gewissheit, dass Werbung und Nichtwerbung mit der liebenswerten Ausnahme von Gottschalks Gummibärchen sauber zu unterscheiden sind!
Nippelgate und Schleichwerbung im Marienhof haben den Luftballon der Verkaufsförderung stramm aufgeblasen, Günther Grass hat ihn jüngst geschmacklos platzen lassen. Damit schien zunächst die Messlatte unerreichbar hoch gelegt worden zu sein.
- In der Zwischenzeit hat sich der geplatzte Luftballon unbemerkt und auf wundersame Weise in ein randvolles Fass aus Holz mit Boden verwandelt –
Doch falsch gedacht: Joachim Fest ist es gelungen, seinem Buch “Ich nicht” durch seinen eigenen Tod punktgenaue Medienaufmerksamkeit zu verschaffen. Das ist der Tropfen, der das Fass der Verkaufsförderung überlaufen lässt und ihm gleichzeitig den Boden ausschlägt!
Es ist nicht allzu abwegig, zu vermuten, dass Joachim Fest zusammen mit Elvis und Kurt Cobain auf einer geheimen Insel beim Kartenspiel sitzt und hoch erfreut die steigenden Verkaufszahlen seines aktuellen Buches verfolgt.
Montag, 11. September 2006
die verlehrerisierung schreitet voran
“Liebe Eltern” – wer geglaubt hat, ich würde niemals einen Text schreiben, der so anfängt, liegt seit gut einer Stunde ziemlich falsch.
Mittwoch, 30. August 2006
reiter&affen
der bisher beste Kommentar zu GraSS, finde ich.
(der zweitbeste)
Kommentare