Eins plus eins, behauptet Godard in seinem gleichnamigen Film, müsse nicht unbedingt zwei sein: Wenn man die Rolling Stones dabei filmt, wie sie “Sympathy for the Devil” proben, und einige ziemlich irre Spielfilmszenen mit ziemlich irren Revolutionären dazufügt, ergibt das nicht einfach “Rolling Stones + Revolutionäre”, sondern ein umfassendes Bild einer revolutionären Zeit (1968). Dass eins und eins auch sehr viel weniger als zwei sein kann, beweisen in Deutschland der gleichnamige Telefonanbieter, in Weißrussland die Hersteller einer DVD mit Godards Film. Zur ohnehin chaotischen Original-Tonspur hat man die Übersetzung addiert, was am Anfang noch ganz charmant ist:
Später stellt sich eine gewisse Verärgerung ein, wenn das wohlbekannte Lied mit Sprechgesang ergänzt wird:
Schon klar, dass diese nervtötende Art der Synchronisation in russischsprachigen Ländern gang und gäbe ist, aber hätte man nicht wenigstens auf der DVD die Möglichkeit vorsehen können, den Kram abzuschalten? Hätte nicht der Direktor der charmanten Galerie, der auf der Verpackung für die Rechtmäßigkeit dieser ziemlich offensichtlichen Raubkopie bürgt (soviel Ordnung muss sein in einem Land, das sich komplett im Würgegriff der Bürokratie befindet), dafür sorgen können, ja müssen?
Aber natürlich bleibt es nicht bei dieser kolonialherrenhaften Indigniertheit. Zum einen sind Mick und Keith nicht so kreativ, dass sich am Text was ändern würde, sodass er bei der vierten Probe nicht mehr eingesprochen werden muss, zum anderen wächst einem der charmante Sprecher mehr und mehr ans Herz: Er kämpft mit der ungeheuren Textmenge, verhaspelt sich, lässt ganz offensichtlich Passagen weg und deutet subtil an, dass er den ganzen Unsinn, den die Sprecher da von sich geben, auch nicht besser nachvollziehen kann als der Zuschauer.
Und es ist wirklich unglaublicher Unsinn, der da zum Teil gesprochen wird. Zum Schluss ist man also ganz froh, vor dieser Kinderkrankheit im Kommunismus einigermaßen akkustisch geschützt worden zu sein und gleichzeitig einen neuen, fürsorglichen Freund gewonnen zu haben. Somit hat selbst die sagenhaft anspruchsvoll sortierte Film-Ecke der sich sagenhaft oppositionell gebenden Galerie ihren Beitrag zum inneren Frieden geleistet.

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