Neulich, kurz nachdem ich für dieses Weblog das Tagging-Plugin in Betrieb genommen hatte, erreichte mich eine E-Mail von ja_be mit dem Betreff “Testbericht: Tags”:
Ich weiß nicht, was Dein Eindruck ist, aber ich finde nach etlichen Testeinträgen, das mit den Tags funktioniert bei antimateur nicht so recht. Bei einem sachlicheren Fachblog mag das ja angehen, aber bei uns käuen die Tags immer relativ öde den Inhalt wieder. Da finde ich die Kategorien (die ja oft auch irgendwie ganz witzig sind, ironisch verwendet werden können und ein größeres Abstraktionslevel haben) geeigneter. Es haben halt auch die wenigsten Einträge soviel Substanz, dass sie demjenigen, der unten beispielsweise “FDP” anklickt, irgendwie weiterhelfen könnten. Was meinst Du dazu? ch_we hat ja durch Ignorierung schon durch die Blume seine Meinung kundgetan.
Einerseits haste ja recht. Die Vielfältigkeit oder wahlweise auch Beliebigkeit, die sich aus dem Konzept von antimateur.org (
“Zielfrei und rahmenlos – In der Nichtbeschränkung liegt die Kunst”) ergibt, lässt die Tags ein Stück weit zusammenhangslos und isoliert dastehen. Das gilt insbesondere für detaillierte Tags wie beispielsweise
Mads Mikkelsen, die einem Eintrag auch bei größter Phantasie nur alle paar Jubeljahre halbwegs sinnvoll zugeordnet werden können. Es sei denn, wir erklären antimateur.org zu einer
Mads Mikkelsen Fanpage.
“Dänische Delikatessen” habe ich letztens gesehen und der war ja schon ganz unterhaltsam. Aber was machen wir dann mit
dietmar gottschall? Kurz gesagt, wenn jeder Eintrag seine eigenen Schlagworte besitzt, wird das Tagging, das als ein wesentliches Ziel die Kategorisierung der Inhalte hat, weitestgehend überflüssig.
Darüberhinaus zeichnen sich etliche Einträge durch eine nahezu maximale Kürze (
“Entschuldigt, dass ich hier nur Links poste, ...”) aus, so dass ein Tag inhaltlich eher eine Erweiterung als eine Zusammenfasung darstellt. Auch das ist etwas, was nicht unbedingt fürs Taggen spricht.
Anderseits dient die Verschlagwortung nicht nur der Kategorisierung, sondern auch der Auffindbarkeit der Einträge. So kann zum Beispiel mit der Weblog-Suchmaschine Technorati ein Begriff in Tags gesucht werden. Ruf doch mal die erweiterte Suche auf und gib den Begriff mmhhh…, lass mich mal überlegen, ja!, gib doch einfach mal den Begriff “mads mikkelsen” ein und Du wirst antimateur.org zunächst nicht der Ergebnisliste sehen, was schlichtweg an dem erschreckenden angemessenen Authority-Wert dieses Weblogs liegt. Oberhalb der Ergebnisse kannst Du aber die Suche auf Weblogs mit any authority ausdehnen und voilà, here we are! Nebenbei bemerkt, ist es durchaus üblich, die Kategorien auch als Tags einzutragen, um eben besser auffindbar zu sein.
Den nächsten Punkt möchte ich anhand eines Bildes verständlich machen. Wenn Du Dir ein Paar neuer Schuhe kaufst, erwartest Du dann, dass die Schuhe schon eingelaufen sind? Natürlich nicht! Und auch eine Tagsammlung ist kein Siebenmeilenstiefel, der auf Anhieb wie angegossen passt. Sie braucht Zeit und Pflege, um irgendwann einmal ein guter Schuh mit ordentlichem Fußbett zu sein. Das dazu.
Desweiteren solltest Du, wenn von Kategorisierung die Rede ist, weniger eine streng naturwissenschaftliche Taxonomie, als eher eine lose Assozialisationskette Assoziationskette im Auge haben, die es Dir ermöglicht, über das Tag ghostly von Tadd Mullinix, der unter anderem auf dem Label Ghostly International veröffentlicht, zu dem verstorbenen Ivan Rebroff zu gelangen, der seit seinem Tod halt, nun ja, ghostly daherkommt.
Das beste Argument fürs Tagging ist jedoch dessen Optionalität. Ob Dir gerade kein passendes Tag einfällt, Du das Taggen vergessen hast oder eine Tagverweigerungshaltung einnimmst: Es ist vollkommen Banane.
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