Neben Knut sind dilettantische Möchtegern-Rapper so etwas wie die Penaten und Laren dieses Blogs. Einem Ober-Stulli aus diesem Metier, dem singenden und klingenden Feingeist King Orgasmus One, hat die seit dem Ende der NRW-Lokalausgabe offenbar übelst ins Straucheln geratene taz jetzt mit der gebotenen Offenherzigkeit porträtiert. Nach wie vor will sich bei mir da das Entsetzen nicht so richtig einstellen, weil es von einer stets wachsenden Ladung Ungläubigkeit bezwungen wird. Vermutlich Ausdruck meiner gesellschaftlich abgehobenen Position (die Jugend in den Ghettos von Lankw- und Steglitz fehlt halt), aber das KANN doch niemand ernst nehmen? Ganz symbolisch findet diese Entfremdung von der wild fickenden und mordenden Jugendkultur darin Ausdruck, dass die Rappers jetzt die Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises, in dem ich meine vergleichsweise beschauliche Kindheit verbrachte, abknallen wollen . Die Existenz der jährlichen Blockflötenkonzerte im Marstall wäre damit akut gefährdet, und mirnichtsdirnichts würde aus dem beschaulichen Landkreis, dessen gefestigte soziale Struktur mir den kometenhaften Aufstieg in das Zentrum der Macht ermöglichte, ein zweites – horribile dictu – ARNSBERG. Ich mein ja nur.
Montag, 9. Juli 2007
Ghettos
Mittwoch, 2. Mai 2007
Bodenturner
Keine kulturwissenschaftliche Wende ist so abgegrast, dass man nicht noch eine Konferenz dazu veranstalten könnte. Diese goldene Regel bestätigt sich im Hinblick auf den Spatial Turn gerade aufs Schönste:
“Raum. Ort. Topographien der Annette von Droste-Hülshoff” heißt die Veranstaltung, die irgendwann Mitte Mai (bei Interesse bitte selber googeln) in Meersburg stattfindet. Da ich zum einen nicht weiß, wo Meersburg zu verorten ist und zum zweiten der eigentliche Ort der A.v.D.-H., nämlich der hier, nicht gewürdigt wird, werde ich ihr fernbleiben, obwohl einige ganz interessante Leute auftreten performen vortragen.
Donnerstag, 15. März 2007
(Ill.)
Sonntag, 7. Januar 2007
Nachtfahrt-Nachtrag
Neulich vergessen bei den Sehenswürdigkeiten des Havellandes: Die Papierfabrik zwischen Döberitz und Premnitz. Zumindest, wenn es sich wirklich um eine Papierfabrik handelt (ich bin mir da nicht ganz sicher), ist dieser Nachtrag aber gerechtfertigt, denn Papierfabriken sind Kathedralen der Imagination. Es heißt zwar Das Mädchen aus der Streichholzfabrik (Tulitikkutehtaan tyttö), aber P.s hat man sich sicher ähnlich vorzustellen: Bekopftuchte Frauen mit von Säure zerfressenen Unterarmen, die in Zellulosekübeln waten. Thomas Bernhard schrieb auch glaube ich mal zum Thema, in Beton oder so, wobei er die harten Günter-Wallraff-mäßigen Fakten aber vermissen liess. Da empfiehlt sich ein Recherchebesuch in
1. D-09509 Pockau – Wernsdorfer P.,
2. D-08324 Bockau – P. Bockau,
3. RUS-238710 Neman – Nemanskij Zelljulozno-bumažnyj Kombinat.
Erstere Orte spuckte mein Routenplanerprogramm aus, letzterer fand sich auf der Rückseite eines sowjetisch anmutenden Schulhefts, wobei die Nennung einer Homepage darauf hoffen lässt, die dortige P. noch in Betrieb vorfinden zu können.
Diese unvollständige, wirre Aufzählung von Assoziationen wäre noch unvollständiger (und weniger wirr), wenn ich die Erwähnung eines mir aus eigener Anschauung bekannten Ortsteils unterließe. Das wäre dann rein vom Namen her auch eine schöne Postanschrift: J.B., Straße der DSF 1, 16259 Falkenberg-Papierfabrik. Hiermit möchte ich schließen.
Sonntag, 10. Dezember 2006
Nachtfahrt
In Brandenburg, einer der schönsten Städte des gleichnamigen Bundeslandes, ist so etwas wie “Die lange Nacht des Shopping”, und Jugendliche in Camouflagelook, dessen Tarnwirkung durch die rote Zipfelmütze etwas zunichte gemacht wird, streifen in großen Scharen durch ansonsten eher leere Alt- und Neustadtgassen. Gerne würde man verweilen, doch weiter gehts durch BRB-Görden und BRB-Butterlake Richtung Norden, wo die Jugendlichenkonzentration jetzt etwas geringer sein dürfte als sonst. Die meisten Ampeln sind schon ausgeschaltet, und nur wenige schicken ihr übertrieben grelles Grün als hämischen Gruß durch den Rückspiegel. Die wenigen Orte an der B 102 sind schnell durchquert, zumal meist auf die Aufstellung eines Ortsschildes verzichtet wurde. So etwa in Gapel, das nur aus zwei Straßen zu bestehen scheint, die beide – nunja – “Gapel” heißen (Anderenorts leistet man sich wenigstens eine Straße der Jugend). Aber ein von Rathenow kommender Bus endet hier, manchmal kommt er einem entgegen. Die Straße läuft direkt an der gerade sanierten und schon von der Schließung bedrohten Regionalbahnstrecke entlang (“komm in den totgesagten zug und schau”, geht der Bildungsbürger mit mir durch). In Mögelin gibt es neben dem Bahnhof ein verfallenes Gebäude, wo ich gerne abhängen würde, wenn ich ein Mögeliner Jugendlicher wäre. Diese sind jedoch nicht zu sehen, vielleicht haben sie die am Gebäude affichierten Veranstaltungshinweise (das “Crazy” in Friesack wirbt hier für die im wöchentlichen Wechsel stattfindenden Tequila-, Erotik- und 99Cent-Parties) auf andere Gedanken gebracht. Von hier aus ist es nicht mehr weit nach Rathenow, früher als Stadt der Optik, jungem Gemüse vielleicht eher als Austragungsort der diesjährigen Landesgartenschau bekannt. Biber soll es hier geben, ein hübsches Backsteinprunkgebäude, vielleicht das Rathaus, gibt es definitiv, und die Jugend trifft sich unter der Rampe, die zum Parkdeck des Einkaufszentrums Berliner Straße führt. Ziemlich überraschend kommt mir eine Art Love-Parade-Wagen entgegen, der eigentlich nur aus dem östlich der Stadt liegenden Waldgebiet kommen kann. Frenetischer Billigtechno. Im Wald gibt es viel Wild und viele Unfälle, wie viele Hinweisschilder warnen. Rehe sind die Tiere, die uns Menschen vors Auto laufen.
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