Müde bin ich geh zur Ruh’,
Decke meinen Bierbauch zu;
Herrgott, laß den Kater mein,
Morgen nicht so schrecklich sein;
Bitte gib mir wieder Durst,
Alles andere ist mir Wurst.
Sonntag, 25. März 2007
Des Säufers Abendgebet
Mittwoch, 21. März 2007
Sehen und doch nicht glauben
Ein paar Tage später, derselbe Blick: Das Kurzgeschichtenbuch Per Anhalter in den Himmel – Storys für Teens biedert sich dem potenziellen Käufer durch seinen an einen sogenannten Kultroman erinnernden Titel an, überraschend anders dagegen ist das Buch Jesus Style – Überraschend anders!, das vorallem durch die Abbildung der gelochten Jesushände auf dem Cover zu gefallen weiss und als Krönung words for girls – Das komplette Neue Testament, ein Hochglanzmagazin von 392 Seiten, das sich am besten selbst durch seine Themen vorstellt: Konsequenter Glaube: Wie du auslebst, was du glaubst; Schönheitstipps, die du noch nie gehört hast!; “Gehst du mit einem gläubigen Jungen aus?” und andere Fragen; “Bist du eine gute Freundin?” und noch mehr Persönlichkeitstests; Jungs reden über eine Tonne wichtiger Themen :-O
Ob dieser geballten, zum Verkauf angebotenen Ladung Mist stellt sich schnell und zwangsläufig das Bedürfnis ein, dem Händler oder der Händlerin kräftig die Leviten zu lesen:
Ihr sollt nicht stehlen; und ihr sollt nicht lügen und nicht trüglich handeln einer gegen den anderen.
Samstag, 10. März 2007
Nichtraucher durch Bier-Flatrate
So inserierte die Gaststätte Roter Löwe zu ihrer Neueröffnung in der heutigen Ausgabe des Lübecker Wochenspiegels die nebenstehende Anzeige. Ein klassischer Fall von “Den Teufel mit dem Belzeebub austreiben”, frei nach dem Motto: Wenn die Lunge Wellnessurlaub macht, darf die Leber eine Extraschicht schieben. Ob der zu erwartende Haufen nichtrauchender Trunkenbolde allerdings in die Kategorie “Angenehme Kundschaft, immer wieder gerne” gehört, wird sich erst am Tag danach sagen lassen.
Mittwoch, 7. März 2007
Silberhochzeit einer Kneipe
Lag es vielleicht daran, dass die Stamm- und Dauergäste chronisch pleite waren, weil sie eben genau das waren: Stamm- und Dauergäste dieser Lokalität? Das alleine kann’s nicht gewesen sein. Spielte das Alleinstellungsmerkmal, Gaffel Kölsch in der Hansestadt Lübeck auszuschenken, die entscheidende Rolle? Schwer vorstellbar. Der offizielle, zu jeder vollen Stunde gespielte Kneipensong? Überhaupt nicht vorstellbar. Die Antwort bleibt mir verborgen.
Um meinen Spekulationen ein Ende zu setzen, könnte ich natürlich auch selbst einmal Gast im "Panne" werden, aber das wird erst dann passieren, wenn es heißt: "50 Jahre… ...und nicht einmal umgezogen!"
Montag, 5. Februar 2007
Return to Zander*
Ich finde ganz gerne mal ‘ne Zeitung im Zug. So wie zum Beispiel am Samstag, als jemand die Süddeutsche für mich liegen lassen hat. Zwar nur den Fernsehteil, aber immerhin. Das war beeindruckend genug:
20.15, ARD, Wider den tierischen Ernst, Festsitzung des Aachener Karnevalsvereins unter dem Motto “Aachen hebt ab”
20.15, ZDF, Willkommen bei Carmen Nebel, Undurchsichtige Unterhaltung
20.15, SAT 1, Meister der Comedy… erklären die Welt, Comedyshow mit Jürgen von der Lippe
20.15, Tele 5, Süße 17, tödliches Biest, “Hinter Jennifers süßer Fassade verbirgt sich eine Psychopatin”
22.00, Tele 5, Body Parts, “Nach einer Armtransplantation wird Bills Leben zum Alptraum”
22.30, WDR, Der große Jecken-Check, “Das Casting der Närrischen Hitparade”
23.55, RTL 2, The Dentist 2 – Zahnarzt des Schreckens, Nichts für schwache Nerven
Gar nicht mal so schlecht, die Auswahl, aber hätte ich mich entscheiden müssen, wäre diese Sendung mein Favorit gewesen:
20.15, MDR, Hier kommt Kurt!, Der große Frank-Zander-Abend, Ein Wiedersehen mit dem großen Künstler (“Tu doch meine Asche in die Eieruhr”) anlässlich seines 65. Geburtstags, knappe vier Stunden Länge, nur kurz unterbrochen durch eine überflüssige Nachrichtensendung
* Ich bedanke mich für diese schöne Überschrift bei S.
Donnerstag, 1. Februar 2007
Mixtapetechniken
Wir alle haben schon einmal Mixtapes zusammengestellt und dabei in unserem Individualitätsbedürfnis nicht einfach nur ein Lied dem anderen stimmig folgen lassen, sondern vielleicht auch mal die Afterlife-Hymne “We shall all be reunited” von Alfred G. Karnes (1927) dem Dancefloor-Filler “New J.” von Audion (2005) gegenübergestellt. Oder zwischen die Lieder – passend zur Musik – Hörspielschnippsel und persönliche Worte eingefügt.
Von einer weiteren Mixtapetechnik habe ich jetzt auf zeit.de in einem Bericht von Christian Broecking über die aktuelle Tour des Schlippenbach Trios gelesen:
Lovens ist für die Musik im Auto zuständig – letztens haben sie auf der Fahrt fast ausschließlich Soli des Saxofonisten Wayne Shorter gehört, die Lovens auf Kassetten kopiert hatte. Die Musikstücke setzten immer erst da ein, wo das Solo beginnt und brachen ebenso abrupt wieder ab.
Möglichkeiten
Berger
Brehme
Ehrmantraut
Heynckes
Klinsmann
Lorant
Magath
Neubarth
Ristic
Stepanovic
Einer wird’s.
Dienstag, 16. Januar 2007
Bedürfnisse und ihre Berechtigung
Wie aus dem Nichts schepperte ihre Stimme: “KANN MAN HIER VIELLEICHT MAL SEINE RUHE HABEN? MEIN GOTT NOCHMAL!” Davor und danach sagte die Frau ohne Begleitung nichts. Hier fühlte sich offensichtlich jemand ganz gehörig beim Genuß von Kaffee und Zigarette gestört. Aus gutem Grund?
Nun, das Bedürfnis nach Ruhe ist – ganz allgemein und abhängig von Ort und Zeit – ja ein durchaus berechtigtes Anliegen. Dem ist nicht ernsthaft zu widersprechen. In diesem konkreten Fall allerdings handelte es sich bei dem Ort nicht um ein Kurcafé in Bad Bevensen, wo gerade eine Kindergartengruppe die Vogelhochzeit aufführte, sondern um den Bistrotisch vor der Stadtbäckerei am Zentralen Omnibusbahnhof. Und das zu einer Zeit, die am besten als Feierabendverkehr beschrieben werden kann. Insgesamt also eher eine Situation, in der eine Beschwerde über den herrschenden Lärmpegel weniger ein zustimmendes “GENAU! RICHTIG SO!” als vielmehr irritierte Blicke der Umstehenden erzeugt.
Nichtsdestotrotz sei der Frau unbekannterweise alles Gute und Erholung für ihre blank liegenden Nerven gewünscht.
Freitag, 12. Januar 2007
Schützenhalle oder Maryteller
Regisseur ist übrigens Christian Görlitz, in dessen Vita neben Werken wie “Der Preis der Sehnsucht“ und “Nachts, wenn der Tag beginnt“ auch so unvergessene Serien wie “Unsere Hagenbecks“, “Große Freiheit“ und last but not least “Komissar Rex“ auftauchen. Man darf also gespannt mißtrauisch sein im Hinblick auf die Verfilmung von “Fleisch ist mein Gemüse”.
Förderung erhält der Film von nordmedia und zwar eine Summe von bis zu 360.299,28 €. Mmmhh. Ich sach ma so: Für ein Zehntel des Geldes wäre ich ein paar Abende mit meiner Kumpelbande im griechischen Restaurant “Athena” in Stelle eingekehrt, wo wir schöne Maryteller* bestellt und das gesellige Beisammensein auf Video festgehalten hätten. Nicht halb so teuer, aber dafür sehr gut.
* Gyros, Lammkotelett, Suflaki, Hacksteak und eine Alibi-Kartoffel. Wer's nötig hat, kann sich auch gerne ein Stück Petersilie vom Salatbuffet holen. Muß aber nicht.
Mittwoch, 20. Dezember 2006
Mein Weihnachtsstatement
Youppala hat gerade das Lied “unsolved remained” von Masha Qrella gespielt, dessen erste zwei Textzeilen ich hiermit zu meinem diesjährigen Weihnachtsstatement erhebe:
no silent night
no driving home
Mittwoch, 13. Dezember 2006
Saublöder Geschmack für ein Essen
Kroketten sind nicht gleich Kroketten. Ein Backofen ist keine Fritteuse. Fritteusenkroketten sehen auch nach einer halben Stunde im heißen Backofen aus wie tiefgefroren. Und sie schmecken nach drei Tage alten Pommes. Weder Salz noch Ketchup leistet Abhilfe.
Deshalb: Auch wenn man noch so müde und lustlos durch den Supermarkt hetzt, lohnt es sich doch meistens, lieber zweimal hinzuschauen, bevor man blind in die Tiefkühltruhe greift.
Freitag, 8. Dezember 2006
Von Leoparden und ihren meisterhaften Jägern
Hin und wieder jedoch erhält so ein Einkauf durch überraschende Begebenheiten die nötige Würze, um als Höhepunkt des Tages gewertet werden zu können. So hatte ich mich heute gerade ordnungsgemäß mit meinen fünf Artikeln in eine sehr lange Schlange an einer der Kassen eingereiht, als die Kundin vor mir ein kleines Fläschchen Jägermeister zückte, zum Trinken ansetzte und den Inhalt mir nichts, dir nichts leerte. “Alles klar”, dachte ich, “die Unterschicht feiert den Anfang des Wochenendes, die Tage, an denen der Unterschied zum arbeitenden, Perspektive habenden Teil der Gesellschaft gegen Null geht. Das ist auf jeden Fall mal ein Anlass.”
Als wir uns dann aber langsam der Kasse näherten, ich in Turnschuhen, sie in Schuhen mit Leopardenfellmuster, griff ihre Hand zielsicher eine Tafel Lindt®-Schokolade, Geschmacksrichtung “Zimt & Koriander”, aus dem nebenstehenden, weihnachtlichen Schokoladenangebot, so dass mein nächster Gedanke war: “Was’n jetzt los? Nobel geht die Unterschicht zu Grunde, oder was?”
Meine Irritationen ob der Schichtzugehörigkeit dieser Frau verflogen erst, als sie die Kassiererin mit deutlich lallender Stimme nach dem ebenso deutlich vor ihr liegenden Kassenzettel fragte.
Freitag, 24. November 2006
Zum wahrscheinlich letzten Mal
Nicht schlecht, denke ich, aber so wirklich beeindruckt mich erst ein Flyer für die Geburtstagsfeier des “Grandfather Of Rock’n‘Roll”, Chuck Berry, in Hamburg. Denn da steht dieser mittig platzierte und farblich hervorgehobene Satz über dem Bild von Chuck Berry, auf dem er eine Kapitänsmütze und ein Hemd trägt, von dem ich nicht zu sagen vermag, ob es mit einem Batikmuster gefärbt oder einfach nur schlammverdreckt ist. Dieser Satz, der vor dem Hintergrund, dass es sich um einen 80. Geburtstag handelt, und durch sein Ausrufezeichen – bei allem zugestandenem Realitätssinn – eine gewisse Geschmack- und Schamlosigkeit nicht abstreiten kann:
Zum wahrscheinlich letzten Mal in Hamburg!
Mittwoch, 8. November 2006
Yin und Yang des Hip Hop
Viel interessanter ist da der Begriff “Atze”, von dem MC Bogy drei ebenso überzeugende wie unverständliche Definitionen abliefert, die mit eigenen Worten wiederzugeben, mir unmöglich ist. An dieser Stelle sei nur soviel verraten, dass es sich nicht um ein Musiktheater für Kinder handelt, dass durchaus Millionen davon mit einem down sein können, und dass viele die Zulassung für ihre Karre im Landkreis Anhalt-Zerbst beantragt haben oder gleich ganz dahin gezogen sind, weil ihnen in Berlin der Boden unter den Füßen zu heiß geworden ist.
Doch irgendwann ist der letzte Rest des Atzenpulvers verschossen, man kennt jedes Label, jeden Künstler, jedes Lied und hat die Faxen so richtig dicke von MC Muschi, dem Katzenkeeper, und all den anderen besten Rappern, Gangstas (erfordert mehr als schlappe fünf Wochen U-Haft) und Pörnchen-Produzenten.
Das ist der Zeitpunkt, an dem man zu YouTube switchen und sich die in mundgerechte Häppchen aufgeteilte Dokumentation “And You Don’t Stop: 30 Years Of Hip Hop” zu Gemüte führen sollte, solange diese noch nicht gelöscht wurde. Und obwohl ich bisher lediglich zweieinhalb Folgen gesehen habe, lässt sich schon ein erster großer Unterschied zu “Rap City Berlin” ausmachen: Die zu Wort kommenden Personen besitzen eine klare, deutliche Aussprache.
Samstag, 28. Oktober 2006
Gutes tun ist gar nicht schwer
Die Jungle World steht mal wieder vor dem Aus. Nach eigenen Angaben benötigt die Wochenzeitung 500 neue Abonnements, um unabhängig “von sämtlichen Parteien, Stiftungen und Bewegungen” existieren zu können.
Nun, ich bin bereits ein guter Mensch und beziehe die Jungle World schon eine geraume Zeit im Abo. Aber vielleicht findet sich im überschaubaren Leserkreis dieses Blogs noch der eine oder andere gute Mensch, der dafür sorgt, dass ich auch weiterhin jeden Mittwoch die Jungle World in meinem Briefkasten finde. Und nicht gezwungen bin, auf das Mad Magazin zurückzugreifen.
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