Dann will ich mal das sogenannte schöne Wetter nutzen, um bei geschlossenen Fenstern und zugezogenen Vorhängen mit dem vierten Teil meine, ähm, Reisereportage “Vier Tage Stettin” abzuschließen, Der Kurzurlaub liegt zwar schon fast drei Monate zurück, aber was gibt es Schöneres, als sich der zwang- und krankhaften Sekundenaktualität des Internets zu verweigern? Irgendwann werde ich sicher auch noch meinen Bericht zur Landesgartenschau 2006 in Winsen/Luhe schreiben und veröffentlichen.
Doch nun zum Thema, dem Hafen von Stettin. Und wer in Stettin vom Hafen spricht, muss im gleichen Atemzug auch die Tierwelt erwähnen. Das hat die durchgeführte Hafenrundfahrt ganz klar gezeigt. Denn kaum hat das Schiff abgelegt und die auf einer Insel gelegene Reparaturwerft – alle benötigten Materialien müssen per Fähre angeliefert werden – an Backbord hinter sich gelassen, schon biegt man Steuerbord ins Naturschutzgebiet ein, dessen einzige Anzeichen von Zivilisation die ehemaligen Liegeplätze der deutschen U-Boote im zweiten Weltkrieg sind.
Da beginnt die Welt der Schwäne, Kormorane, Biber und Seeadler. Insbesondere die zwei Dämme der nagefreudigen Biber und die stolzen Seeadler, fünf an der Zahl, mal fliegend, mal im Baum sitzend, sorgen für mächtig gute Laune unter den wenigen Passagieren der Ausflugsbarkasse. Die Seeadler leben eigentlich weiter nördlich im Stettiner Haff, kommen aber gerne zu ihren Mahlzeiten und vermutlich auch für die Touristen hier vorbei. Nach einiger Zeit auf offener See zeichnen sich am Horizont Kräne ab, mit denen die schlesische Kohle auf die Lastkähne nach Berlin verladen wird.
Da ansonsten im Hafen industriell nicht mehr viel los ist, plant die Stadt, das Hafengebiet mit seinen kleinen Inseln anderweitig zu nutzen. “Floating Garden” heißt das Konzept, nach dem bis 2050 ein neuer Stadtteil errichtet werden soll. Da nicht nur leerstehende Hafengebäude, sondern auch hübsch gelegene Schrebergärten neuen, chiquén Hotelanlagen weichen sollen, kann an dieser Stelle nicht von Gentrifizierung geschwiegen werden. Sollte es im Gegensatz zu einer anderen Hansestadt gelingen, die Kosten im Rahmen zu halten, könnte die neue Philharmonie ein hervorzuhebendes Highlight der Stettiner Hafencity werden.
Montag, 12. Juli 2010
Vier Tage Stettin, Letzter Teil: Hafen
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