Wären nach dem Zweiten Weltkrieg nicht etliche Gebäude wieder aufgebaut worden, dieser Artikel wäre mit der Erwähnung des Bunkers unter dem Hauptbahnhof und der Hakenterrasse am Ufer der Westoder nahezu vollständig und beendet gewesen. So aber lassen sich doch einige Sehenswürdigkeiten entlang der 7km langen Städtischen Wanderroute, die durch eine rote gestrichelte Linie auf dem Bürgersteig gekennzeichnet ist, bestaunen.
Neben den tausenden mit alten knienden Damen gefüllten Kirchen, von denen die St. Johannes der Täufer-Kirche die mit Abstand schönste ist (geile Kirchenfenster), erblickt der aufmerksame Rundgänger auch das alte Postgebäude, das Rote Rathaus (in Stettin, nicht Berlin), das Radisson SAS Hotel und natürlich das Schloss der Herzöge von Pommern, in dessen Innerem die Sarkophage der Herzöge rumstehen. Der zugehörige Schmuck liegt in Glasvitrinen im Nationalmuseum, Abteilung Altes, und ist immer eine Reise wert. In der Abteilung Zeitgenössisches des Nationalmuseums trifft der Besucher auf das junge moderne Polen. Hier sind in der aktuellen Ausstellung in erster Linie Cumshots einer jungen blonden Dame und Homosexuelles zu sehen. Das Schifffahrtsmuseum bietet ebenfalls sehr interessante Ansichten, der Besuch konnte jedoch zügig beendet werden, da der Bereich Schifffahrt gerade für Besucher gesperrt war. Alle Museen versprühen den Charme des Unperfekten und sind damit den ausgestellten Dingen und Kunstwerken angemessen hergerichtet. Ein alter nicht restaurierter fünfflügeliger Altar kann eben schöner und beeindruckender sein, als ein alter restaurierter dreiflügeliger Altar. Meine Meinung.
Die jüngere Geschichte lässt sich direkt im Stadtbild begutachten. Da wo heute eine Bank ihren Sitz hat, war 1970 die Zentrale der Kommunistischen Partei. Arbeiter zündeten das Gebäude damals an, als die Preise mal wieder gestiegen waren. Daraufhin wurden von dem nahegelegenen Polizeigebäude etliche Demonstrierende erschossen. Ein Denkmal in Engelsform erinnert daran.
Aussicht über die Stadt gewähren der Turm der Jakobikirche, der Turm vom Schifffahrtsmuseum, das Café 22 im 22. Stock eines Hochhauses und der Turm vom Schloss der Pommerschen Herzöge (noch bis Mai geschlossen). Insbesondere aus dem Café 22 kann mit viel gutem Willen ein städtebauliches Kuriosum erahnt werden. Führende Stettiner Astrologen glauben erkannt zu haben, dass Lage und Anordnung der Hauptplätze in Stettin “Bezug auf die Konstellation Orion und das uralte Pyramidenkomplex in Giza” nehmen.
Mittwoch, 28. April 2010
Vier Tage Stettin, Zweiter Teil: Sehenswürdigkeiten
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