“Übergesext und untergefickt” ist ein gutes Stichwort. Irgendwann in den Neunzigern schrieb Max Goldt über das dümmliche Lächeln einer Dame, die auf den Werbeplakaten für eine jährlich stattfindende Erotikmesse abgebildet war und sich (so Goldt) durch ihren Gesichtsausdruck einen Stammplatz in den Alpträumen der Berlinerinnen und Berliner gesichert habe.
Ob es der Erotikbranche seitdem gelungen ist, in diesem Punkt eine optische Verbesserung zu erreichen oder ob nicht doch bewährte, beim Publikum bestens eingeführte Assets grundlos aufgegeben wurden, wage ich an dieser Stelle nicht zu beurteilen. Fest steht jedenfalls, dass auch dieser Wirtschaftszweig die grundlegenden gesellschaftlichen Veränderungen der letzten Jahre nicht ignorieren kann und sich bemühen muss, den Bordellbesuch auch einer eher gehobenen, neubürgerlichen Zielgruppe schmackhaft zu machen. Es ist erfreulich und stimmt einen für die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands insgesamt hoffnungsvoll, dass in den Massagesalons der Republik ganz offenbar der Wille da ist, sich dieses Themas anzunehmen.