Immer dieser Schiller. Warum spielt man den überhaupt noch? Die Message, die der junge Revoluzzer seinen Zeitgenossen überdick aufs Brot schmierte (Verkommenheit des Adels, Integrität des Bürgertums blablabla), ist kaum mehr von Relevanz und wird auch kaum verstanden, zumal mehrere Zuschauer beim Verlassen des Theaters über die schwer verständlichen Verse klagten. Zur Ankurbelung der Konjunktur hatte man einige Cellistinnen in Lohn und Brot gesetzt, die Stupide-Melodiöses cellten und so die Qual von Vater Miller vergrößerten, der als Musiklehrer und aufrechter Bürger sicher mit einem Bombenmusikgeschmack ausgestattet ist. Der Tatsache, dass das nach Abzug des Bürgerstolzes übriggebliebene Thema des Stückes (upper-class boy meets lower-class girl) heutzutage bei Veronica Mars besser aufgehoben ist, wusste man auf zweierlei Weise zu begegnen: Einerseits durch das mittlerweile obligatorische Alexander-Kluge-Zitat im Programmheft (wieder so ein Binnennachfrage-Trick?), das irgendetwas ebenso Kluges wie aus dem Zusammenhang Gerissenes von einer Nazi-Versuchsanordnung faselte: sowas hat der Kulturindustrie-Ami bestimmt nicht zu bieten, das können nur wir Deutschen, ha! Andererseits, und da muss man Regisseur Falk Richter zumindest in einem kleinen Punkt eine gewisse Rafinesse bescheinigen, durch die Besetzung eines Ferdinands, der wirklich eine verfluchte Ähnlichkeit mit Duncan Kane hatte.
So ungerecht ist die Welt manchmal. VM wurde nach drei Staffeln abgesetzt, aber mit Schillers Schmierenstoff darf man vermutlich auch in fünfzig Jahren noch die Zuschauer auf eine Geduldsprobe stellen.
Und die Alexander Kluges dieser Welt, was tun sie dagegen – nichts!