Indeed, über Fahrradhändler kann man gar nicht genug schreiben, und zwar nur Negatives. Die faschistoide Macke der hiesigen Gesellschaft, den Sport und alles Sportliche zu idolisieren, sorgt dafür, dass ausgerechnet die grundsolide, grundsympathische Tätigkeit des Fahrradfahrens einen zwingt, gelegentlich mit Branchensolipsisten zusammenzutreffen, die in allen anderen Bereichen menschlicher Tätigkeit schon längst von der gnädigen Hand des Marktes hinweggefegt worden wären. Dass jemand nicht an nerdigem Raserequipment interessiert ist und auch nicht daran, irgendwelche Nummern und Bezeichnungen (und sei es nur “Dunlopventil”) auswendigzulernen, dass es Leute gibt, die einfach entspannt diejenigen Gegenstände erwerben wollen, die zum Betrieb des Fahrrads unabdingbar sind und die sie nicht selber herstellen können, will diesen Kretins nicht in die kohlenhydratriegelverseuchte Birne. Okayokay, auch die andere Seite muss sich kritisieren lassen. Warum ich zB demjenigen Exemplar, das auf meine Frage nach einem Fahrradmantel 47-622 mit nicht nur leicht herablassender Geste dozierte, das sei eine unkorrekte Angabe, man müsse entweder 28×1,75 oder 47-622 sagen, und das auf meine Entgegnung, genau das letztere hätte ich gerade verlangt, nur hintergründig grinste, nicht einfach einen Siebenfach-Schraubkranz in seinen Gewindekonus appliziert habe, versteht kein Mensch.
der typ sieht aus wie der typ mit den dreadlocks aus der lindenstrasse. der ganze laden voller kaputter fahrräder, aber er lehnt an der theke und hört radio eins. dazu malt er kringel auf einen block. ich frage ihn, ob ich mir kurz eine luftpumpe borgen könnte, darauf macht er eine kopfbewegung in richtung fußboden vor seiner theke. da steht die pumpe, schräg dahinter sehe ich seine füße in birkenstock-sandalen. in dem moment, in dem ich mich bücke, um die pumpe zu nehmen, sagt er: "nicht am griff anfassen". ich halte etwas überrascht inne und schaue zu ihm hinauf, da sagt er auch schon: "das tut der pumpe weh". einen moment lang überlege ich, ob ich ihm erklären soll, dass dinge keinen schmerz empfinden können, doch er kommt mir zuvor und sagt einen dritten satz, der keine erwiderung mehr zulässt: "und was meiner pumpe weh tut, das tut auch mir weh". ahja.
Oy Vey. Bezeichnenderweise ist der einzige mir bekannte Fahrradhändler, der nett zu sein scheint, praktisch nie in seinem Laden anzutreffen, sondern biertrinkend vor dem benachbarten Café. Das ist sympathisch, macht aber Geschäftskontakte mit ihm unmöglich.